04. Juni 2021

VDKC sieht Chorsingen in Gefahr und appelliert an die Bundeskanzlerin

Mit einem dramatischen Appell hat sich der Präsident des Verbandes Deutscher KonzertChöre (VDKC), Prof. Ekkehard Klemm, an die Bundeskanzlerin gewendet. Nachdem der Verband 2013 den Antrag zur Aufnahme der „Chormusik in deutschen Amateurchören“ in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO gestellt hatte und auf nationaler Ebene damit erfolgreich war, sieht Klemm das Chorsingen momentan in höchster Gefahr. Seit über einem Jahr sei es de facto zum Erliegen gekommen: „Aus allen Teilen des Landes sind Alarmzeichen des Mitgliederschwunds und massiver Nachwuchsprobleme wahrzunehmen, wie erst kürzlich durch eine Studie der Universität Eichstätt bestätigt wurde. Bedroht ist die gesamte Vielfalt der Chorszene. Ganz besonders betroffen sind jedoch Kinder- und Jugendchöre, die vor allem in Schulen völlig neu aufgebaut werden müssen. Wenn zwei ganze Jahrgangsstufen in solchen Ensembles ausfallen, weil keinerlei gemeinsames Musizieren stattfinden darf, steht in kürzester Zeit die komplette künstlerische Existenz auf dem Spiel. Das ersatzweise Proben in Kleingruppen und auf digitalem Weg kann lediglich als kurzfristige Überbrückung dienen.“, heißt es in dem Schreiben, in dem auch auf einen Brief aus dem letzten Jahr an den Kulturausschuss des Bundestages verwiesen wird. Dort hatte der VDKC die Abgeordneten eindringlich auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht und gefordert, sich für ein prinzipielles Umdenken in der Wertigkeit von Kultur in Deutschland und eine Beendigung des Missverhältnisses der Wirtschaftsförderung gegenüber der Kulturförderung einzusetzen.

Der neuerliche Appell konstatiert, dass sich die Lage ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie um ein Vielfaches verschlimmert hat und das Chorsingen in seiner Gesamtheit in Gefahr ist. Das zurückliegende Jahr sei nicht nur von einem exponentiellen Wachstum von Inzidenzen geprägt gewesen, sondern auch von einem exponentiellen Wachstum von Vorschriften, Maßnahmepaketen und wöchentlich sich ändernden Verordnungen. All dies habe nicht nur das Chorsingen zum Erliegen gebracht, sondern auch das damit verbundene Konzertleben, das Zusammenspiel mit Orchestern, freien KünstlerInnen und jungen Nachwuchskräften, deren künstlerische Visionen gerade in dramatischer Weise zusammenbrächen, zu biografischen Abbrüchen und Depressionen größten Ausmaßes führten. Trotz anstehender Lockerungen gebe es noch keine durchgreifende Besserung der Situation. Noch immer behindern zu viele Einschränkungen den Neubeginn.

Die Chorsängerinnen und Chorsänger in Deutschland benötigten dringend:

  • eine Konzentration der Hilfen auf den Bereich der Ermöglichung des gemeinsamen Singens in normaler Besetzungsstärke und regelmäßiger Probenarbeit
  • eine Konzentration der Hilfen auf sinnvoll unterstützende Maßnahmen von Organisation über Belüftungssysteme bis hin zu Probenräumen
  • eine massive Unterstützung von Kinder-, Jugend- und Schulchören
  • eine Reduktion einschränkender Maßnahmen auf das Effektivste im Sinne einer erfolgreichen Pandemiebekämpfung
  • eine bundesweit wirksame Verschlankung gültiger Vorschriften und die sofortige Aufhebung solcher, wenn die pandemische Lage dies zulässt.
  • „Die Laienchöre sind zugleich die Basis des Musikpublikums, Nährboden für künstlerischen Nachwuchs und musikalischer Partner in Tausenden von Konzerten und Aufführungen aller Art.“, heißt es in einem Statement der UNESCO. In diesem Sinne stehe das Musikleben in ganz Deutschland auf dem Spiel, wenn es nicht gelänge, das Chorsingen massiv zu unterstützen – so Klemm in seinem Schreiben an die Bundeskanzlerin.

Wir beobachten, dass vielerorts musikalische Zusammenkünfte im Freien und auch in kleineren Gruppen in geschlossenen Räumen wieder erlaubt sind. Wir hoffen, dass auch Ihr Chor diese neu entstehenden Möglichkeiten für sich nutzen kann.

VDKC
01.06.2021

Quelle: https://vdkc.de