26. Juni 2020

Lübecker Gesangsstudierende präsentieren komplett virtuelle Oper

An der Musikhochschule Lübeck (MHL) entsteht „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart erstmals als komplett virtuelle Oper. Mit der „Virtuellen Zauberflöte“ wagen Gastregisseur Anthony Pilavachi, Gastdirigent Mark Rohde und MHL-Korrepetitor Robert Roche ein Experiment, das die Isolierung in Corona-Zeiten widerspiegelt: Ihre Partien bringen die 24 jungen Gesangssolisten der MHL jeweils auf ihre eigene Bühne im heimischen Wohnzimmer. Dennoch soll die „Virtuelle Zauberflöte“ zu einem Gesamtkunstwerk mit viel Emotion und Interaktion werden. Die Online-Premiere findet am Montag, 17. August um 18 Uhr statt.

Mit nur wenigen Requisiten und ohne Kulissen werden Gesangsstudierende der MHL die erste komplett online entstandene „Zauberflöte“ aufführen. Alle Proben finden über eine Online-Plattform statt, die sich in der Bildungslandschaft in Coronazeiten etabliert hat. An die hundert Online-Sitzungen für musikalische und szenische Proben sowie Organisation wird es bis zur fertigen „Zauberflöte“ brauchen. Der international renommierte Regisseur Anthony Pilavachi, der in Lübeck insbesondere mit seinen „Ring“-Inszenierungen Furore gemacht hat, erläutert: „Die Zauberflöte eignet sich gut für dieses digitale Experiment, das meines Wissens weltweit einmalig ist. Der berühmte Opernstoff hat eine unglaublich humanistische Botschaft und steckt voller Gefühle, die sich zu allen Zeiten und an allen Orten abspielen können, auch in den Wohnzimmern unserer Tage.“ 

Die Idee zur virtuellen Zauberflöte wurde durch die Corona-Einschränkungen geboren. Korrepetitor Prof. Robert Roche erläutert: „Uns war klar, dass wir die geplante Inszenierung der Zauberflöte in Lübeck und Bad Oldesloe mit den neuen Sicherheitsregeln nicht würden realisieren können. Um unseren szenischen Projektunterricht dennoch zu gewährleisten, haben wir beschlossen radikal zu sein: eine Oper komplett im virtuellen Raum, in dem die Sängerinnen und Sänger nur in ihrer Vorstellung miteinander agieren. Es ist ein Experiment und wir sind selber gespannt, wie es funktionieren wird.“

Sind alle Rollen zufriedenstellend einstudiert, schicken die Gesangsstudierenden ihre eigenen Videoaufnahmen an Mark Rohde, der damit gleichfalls zum Technischen Leiter des Projektes wird. Er legt die Gesangsstimmen am Rechner über seine separat eingespielte Klavierbegleitung mit Dirigiervideo, die entstandenen Filmausschnitte setzt Pilavachi abschließend zum Gesamtkunstwerk „Virtuelle Zauberflöte“ zusammen. „Die Videokonferenzprogramme, die wir für die Probenarbeit nutzen, sind für Sprache, nicht für Gesang optimiert. Die zeitliche Verzögerung durch das Internet erschwert die Arbeit zusätzlich“, beschreibt der international gefragte Dirigent, stellvertretende Generalmusikdirektor (GMD) am Nationaltheater Mannheim und neue GMD am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, die Herausforderungen bei der Probenarbeit. „Es geht uns nicht um die Illusion einer makellosen Aufführung, vielmehr ist der Weg das eigentliche Ziel: nämlich den Gesangsstudierenden auch in diesen Ausnahmezeiten eine intensive musikalische Arbeit und persönliche Weiterentwicklung zu ermöglichen.“ Viele der Rollen sind dreifach besetzt, damit sich möglichst viele Studierende am experimentellen Opernprojekt beteiligen können.

Es singen in den Hauptrollen Celina Denden und Rocio Reyes Romero (Pamina); Wonjun Joo, Marius Pallesen und Zixing Zhang (Tamino);  Jasmin Delfs, Anna Eufinger und Natalie Helgert (Königin der Nacht) sowie Changhyun Yun (Sarastro). Mit der Premiere eröffnet die MHL gleichzeitig die Nachsaison zum Sommersemester, in der durch Corona-Einschränkungen ausgefallener Präsenzunterricht nachgeholt werden soll.   Die „Virtuelle Zauberflöte“ ist in einer gekürzten, rund eineinhalbstündigen Fassung zu sehen. Sie feiert am 18. August um 18 Uhr im Rahmen der „MHL-Studios“ Premiere und kann unter www-mh-luebeck.de abgerufen werden.

Quelle: https://www.mh-luebeck.de