06. April 2020

"In welcher Form auch immer" – moers festival 2020 hält an Programm fest

Ein großes, internationales Festival? Mitten in Coronazeiten? Das renommierte moers festival will es versuchen – in welcher Form auch immer. „Wir wollen Spaß und Mut machen, neue Wege gehen, Menschen verbinden! Dafür steht das moers festival auch im 49. Jahr.“, hört man aus dem Festivalbüro.

Während fast die komplette Kultur bis weit in den Sommer hinein abgesagt wird, stellten die Veranstalter Ende März stolz das Programm und das Plakat vor. „Allein zu plakatieren ist ja im Moment schon subversiv.“, meint Tim Isfort, seit 2017 künstlerischer Leiter. Mit ihm gelangte das Festival zu neuen Ufern, wurde wieder stärker in der Stadt verankert und erlangte nach fast einem halben Jahrhundert die einhellige Zustimmung der Stadtpolitik. Auf das Programm unter dem Motto new ways to fly darf man besonders gespannt sein: Legenden wie Archie Shepp, John Zorn, John Scofield oder Heiner Goebbels zieren ein Line-up, das zwischen Madrigalen aus dem 16. Jahrhundert, Beethoven, Neuer Musik, politischem Free Jazz, Elektronik und wildem Noise angesiedelt ist.

Ein besonderer Fokus gilt Musik von Frauen: Joëlle Léandre, Maggie Nicols und Irene Schweizer sind Weltklasse-Künstlerinnen im immer noch männlich dominierten Jazz. Aber auch die junge weibliche Generation bekommt ein Forum: zum ersten Mal koopieriert Moers mit dem Essener Peng! - Festival.

Natürlich wird auch der aktuelle improviser in residence vertreten sein: die Brasilianerin Mariá Portugal setzt sich in ihrem aktuellen Projekt mit der Tradition ihrer Heimat auseinander. Regionale Schwerpunkte liegen neben Portugals Heimatstadt São Paulo diesmal auf Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba.

Ganz geheimnisvoll wird es beim französischen Kammerorchester Onceim, das sich der einmaligen Zeitlupenmusik der 88jährigen Komponistin Éliane Radigue widmet. Das Festival gedenkt außerdem des 30jährigen Todestages des bei uns kaum bekannten schwarzen Minimal-Komponisten Julius Eastman. Vier Pianisten um Folkwang-Professorin Patricia Martin, die noch selbst mit Eastman arbeitete, stellen dessen verzweifelt intensive Musik vor.

Zum dritten Mal hat auch die ganz junge Generation die Gelegenheit, am Festival teilzunehmen. Der Kompositionswettbewerb composer kids wartet auf Werke von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre. Mit in der Projektband, die ausgewählte Stücke der jungen Leute einstudiert: Altmeister Wolfgang Puschnig, der große Wiener Saxophonist! Teilnahmeformulare sowie das gesamte Festivalprogramm unter: www.moers-festival.de

Bleibt zu offen, dass das Festivalteam einen Weg findet, dieses außergewöhnliche Programm präsentieren zu können – auf welche Weise auch immer! „Wir improvisieren und machen das Beste draus.“, sagen die Veranstalter. Schaut auf die Website oder die Festival-App für die aktuellsten Infos.

Quelle: http://www.moers-festival.de