25. März 2020

Heidelberger Frühling ist #DigitalUnterwegs

Seit der Absage des „Heidelberger Frühling“ 2020, der unter dem Leitgedanken „Unterwegs“ gestanden hätte, hat sich das Festival intensiv damit beschäftigt, wie in Zeiten von Social Distancing trotzdem Gemeinschaftserlebnisse in der Kunst im digitalen Raum geschaffen werden können. Entstanden ist die Programmidee #DigitalUnterwegs, die anknüpfend an das eigentliche diesjährige Festivalmotto auch den Prozess symbolisiert, in den sich die gesamte Kulturbranche in diesen Tagen in Rekordzeit hineinbegibt.

Zwei Livestreams mit Igor Levit

Den Anfang machen zwei Liveabende mit Pianist Igor Levit, der dem „Heidelberger Frühling“ seit Jahren als Künstlerischer Leiter der festivaleigenen Kammermusik Akademie und des kammermusikalischen Festivalschwerpunkts „Standpunkte“ aufs engste verbunden ist. Er wäre in diesen Tagen mit sechs Konzerten und als Akademie-Leiter in Heidelberg präsent gewesen.

Das erste Livestream-Konzert am Donnerstag 26.03. um 19.30 Uhr bestreitet er gemeinsam mit der Cellistin Julia Hagen. Die 24-jährige Salzburgerin war im letzten Jahr Stipendiatin der Kammermusik Akademie des Heidelberger Frühling und wäre in der diesjährigen Festivalausgabe Kammermusikpartnerin von Igor Levit gewesen. Auf dem Programm stehen Johannes Brahms‘ Sonate Nr. 1 e-Moll op. 38 und Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 3 A-Dur op. 69. Die beiden Künstler führen zu Beginn der Liveübertragung kurz in die Werke des Abends ein.

Am Freitag 27.03., ebenfalls live ab 19.30 Uhr, widmet sich Igor Levit einem der größten und herausforderndsten Solowerke des 21. Jahrhunderts – den 24 Präludien und Fugen von Dmitri Schostakowitsch, die auch im diesjährigen Festival zu hören gewesen wären. Auch hier stimmt der Künstler des Abends zu Beginn auf das Programm ein. Der etwa dreistündige Livestream beinhaltet eine kurze Konzertpause, in der Igor Levit im Pausengespräch mit Festivalintendant Thorsten Schmidt zu erleben ist.

Für die Liveproduktion dieser beiden Ausnahmekonzerte hat die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin ihre Türen geöffnet: „Wir danken der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, die dem ‚Heidelberger Frühling‘ seit Jahren verbunden ist, für ihre Gastfreundschaft in dieser für alle Kulturinstitutionen so besonderen Situation. Dies ist alles andere als selbstverständlich“, betont Thorsten Schmidt.

Zu sehen sind die Livestreams (anschließend 24 Stunden abrufbar) über folgende Onlineplattformen des Heidelberger Frühling: www.heidelberger-fruehling.de, auf Facebook (Musikfestival Heidelberger Frühling) und Twitter (hdfruehling).

Spendenmöglichkeit für FestivalkünstlerInnen 2020

Dieses kostenlose digitale Konzertangebot des „Heidelberger Frühling“ gemeinsam mit Igor Levit bilden den Startschuss, um ein Zeichen der Solidarität mit allen FestivalkünstlerInnen zu setzen, die in dieser Krisenzeit in eine Notlage geraten könnten. Hintergrund ist die aktuelle Situation der KünstlerInnen: Festivals und festen Häusern ist es untersagt, Veranstaltungen durchzuführen und sie sind daher gezwungen, Künstlerverträge aufzulösen. Für den „Heidelberger Frühling“ ist dies eine untragbare Situation, weshalb der Intendant Thorsten Schmidt hier handeln will. Die Zuschauer und Interessierten der Livestreams sind dazu eingeladen, ihre Wertschätzung für Kunst im digitalen Raum in Form von Spenden zu zeigen. Dafür hat die Stiftung Heidelberger Frühling ein Spendenkonto eingerichtet. Alle Spenden, die dort mit dem Verwendungszweck „Zukunftsmusik“ eingehen, kommen den KünstlerInnen des „Heidelberger Frühling“ 2020 zu, die durch die derzeitige Situation existenzbedroht sind. Dabei handelt es sich vor allem um die jungen NachwuchskünstlerInnen und die selbständigen und freien MusikerInnen und Ensembles, denen eine Zukunftsperspektive gegeben werden muss.

Thorsten Schmidt: „Ich hoffe, dass dieser Weg Modellcharakter haben könnte. Wenn alle Kulturinstitutionen so verfahren und das eigene Netzwerk nutzen, um Spenden zu akquirieren, ist beides möglich: Die Institution zu sichern und zugleich über Spenden Teilhonorare zu zahlen, um die an ihrem Auftritt gehinderten Künstlerinnen und Künstler grundsätzlich abzusichern.“

Spendenkonto Stiftung Heidelberger Frühling
Verwendungszweck: „Zukunftsmusik“
Heidelberger Volksbank
Konto 55 000 000 BLZ 672 900 00
IBAN: DE90 6729 0000 0055 0000 00 BIC: GENODE61HD1

Weitere Formate von #DigitalUnterwegs

Die Programmidee #DigitalUnterwegs wird in den kommenden Wochen bis zum Ende des eigentlich Festivalzeitraums 2020 am 24. April weiterentwickelt. So wird Igor Levit in einem Podcast mit dem Georg-Büchner-Preisträger 2019 Lukas Bärfuss zu hören sein. Thema des Gesprächs zwischen Bürger, Europäer und Pianist Levit und dem Schweizer Schriftsteller und Theaterschaffenden Bärfuss ist die Dialogfähigkeit bzw. die „Menschenkommunikation“ in Zeiten der häuslichen Isolation.

Außerdem werden zahlreiche FestivalkünstlerInnen, die im Moment auf der ganzen Welt verstreut in ihren Häusern bleiben müssen, Videobotschaften für den „Heidelberger Frühling“ und sein Publikum verfassen. Sie präsentieren ausgewählte Werke und sprechen über Ihre gegenwärtige Situation angesichts der Viruskrise. Schwerpunkte liegen hier einerseits auf den internationalen SängerInnen, die für den Festivalschwerpunkt „Neuland.Lied“ in die Liedstadt Heidelberg gekommen wären. Zum anderen grüßen Instrumentalisten, die mit Kammermusikkonzerte oder Orchester aufgetreten wären. Der „Heidelberger Frühling“ stellt zudem Konzertvideomitschnitte aus den vergangenen Festivaljahrgängen auf seinen Online-Plattformen bereit.

Und der Medienpartner SWR2 sendet über die kommenden Wochen Konzertaufzeichnungen des Heidelberger Frühling 2016, 2018 und 2019.

Quelle: https://www.heidelberger-fruehling.de