29. Juli 2020

‚Beethoven 360°‘ feiert mit 1.000 Mitwirkenden aus 25 Ländern in Singapur Premiere

‚Beethoven 360°‘ feiert am 30. Juli 2020 um 20 Uhr in Singapur (14 Uhr deutscher Zeit) Premiere. Am Internationalen Tag der Freundschaft der Vereinten Nationen wird zunächst auf den Social Media-Kanälen der singapurischen Tageszeitung ‚Straits Times‘ sowie des deutschen Senders Bayerischer Rundfunk unter der Leitung von Kahchun Wong ein internationales generationenübergreifendes Orchester Musik der 9. Symphonie erstmals als virtuelles 360° Video zu sehen sein.

Dabei wird der aus Singapur stammende Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker Beiträge internationaler Weltklassemusiker und Sänger in einer virtuellen Aufführung zusammenführen. Dazu gehören aus Deutschland Sänger des Dresdner Kreuzchors sowie Musiker unter anderem der Münchner Philharmoniker, der NDR Elbphilharmonie und der Nürnberger Symphoniker – außerdem Teilnehmer aus einem Dutzend weiterer Länder.

Zur ‚Ode an die Freude‘ kommen insgesamt mehr als 1000 Mitwirkende aus 25 Ländern in einem riesigen virtuellen Chor zusammen. Darunter auch zahlreiche engagierte Amateure, die einem Mitsingaufruf im Mai diesen Jahres gefolgt waren.

‚Beethoven 360°‘ trägt das jährliche deutsch-singapurische ‚Beethoven im Garten‘ Konzert vom Botanischen Garten der Stadt in den digitalen Raum, um den 250. Geburtstag Beethovens auf diesem Wege trotz Covid-19 gebührend zu feiern. Die deutsche EU-Präsidentschaft wird so auch im ASEAN-Raum sichtbar und verbindet über die Kraft der Musik Menschen zwischen Asien, Europa und dem Rest der Welt miteinander, die Pandemie-bedingt weiterhin nicht zusammentreffen können.

Zu Beginn knüpft Wong mit einem ‚Cello-Dialog’ zwischen Musikern seines Nürnberger Heimatorchesters und aus Singapur an die Ursprünge der Konzertreihe als Freundschaftskonzert zwischen beiden Ländern an. Mit seinem Projekt geht er gleich mehrere Schritte über die bisherigen virtuellen Musikprojekte im Internet seit Ausbruch der Corona-Pandemie hinaus und zeigt damit auch für die Kulturprojekte der Auslandsvertretungen neue Wege auf. Die virtuelle Performance ist für Smartphones und Tablets optimiert. Zuhörer und Zuschauer können aber auch über ihren Laptop oder Computer in Orchester und Chor „eintauchen“. In dem Virtual Reality Video spielen die Musiker in verschiedenen fiktiven Landschaften, die für Aufruhr, Utopia, ein ‚Stadtgarten‘-Paradies oder den Kosmos stehen und Musikelemente aus Beethovens 9. Symphonie visualisieren.

Wong, 2019 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, hat die Welt in sein ‚Kampong’ - den in Südostasien mit dem Dorf als gesellschaftlicher Keimzelle verbundenen Begriff – eingeladen und Musiker der weltbesten Orchester sind seinem Ruf in sein grenzüberschreitendes virtuelles Orchester gefolgt. Er bleibt mit der Wahl der innovativen Präsentationsform auch seinem ursprünglichen Anliegen treu, Liebhaber klassischer Musik genauso anzusprechen wie jene, die bisher mit dieser nicht in Kontakt gekommen sind.

Kahchun Wong, Initiator und künstlerischer Leiter des Projekts, beschreibt seine Motivation für das Mammutprojekt: „Covid-19 hat zur räumlichen Trennung von Menschen und ganzen Nationen geführt. Während solch düsterer Zeiten muss die Musik weiterspielen. Musik kann Hoffnung und Schönheit inspirieren. Sie ist eine internationale Sprache, die physikalische Barrieren überwinden kann. Das 21. Jahrhundert hat uns Technologien zur Verfügung gestellt, die es uns erlauben, miteinander verbunden zu bleiben und uns auch mit unserem Publikum zu verbinden, ohne dass wir im gleichen Raum zusammenkommen müssen. Ich bin meinen Musikfreunden und –kollegen dankbar, dass Sie meinem Aufruf gefolgt sind und sich so großzügig in dieses Projekt eingebracht haben. Beethovens ‚Ode an die Freude‘ vermittelt mit ihrer Botschaft der Zugehörigkeit, Diversität und universalen Brüderlichkeit genau unsere Gefühle von gemeinsamer Hoffnung und globaler Solidarität. Es ist mir eine große Ehre, Teil dieses internationalen Musik-Kampongs zu sein.“

Roderich Kreile, als 28. Kreuzkantor Leiter des Dresdner Kreuzchores, beschreibt die Zusammenarbeit mit Wong: „‘Beethoven 360 Grad‘ zeigt, wie aus der Krise etwas Neues, Großes entstehen kann. Wir als Dresdner Kreuzchor freuen uns, dass wir Teil dieses innovativen Projektes sind. Unsere Kruzianer haben eine völlig neue Konzerterfahrung mit Musikern der Spitzenklasse und über Grenzen hinweg gemacht. Sie durften erleben, wie man auch im virtuellen Raum gemeinsam Musik machen kann. Wenn das Publikum nicht zu uns kommen kann, kommen wir nun zum Publikum - bis auf seine Smartphones und Laptops. Beethovens Neunte macht dabei klar, was wir uns alle wünschen - bald wieder zum Konzert zusammenzukommen, in der Kreuzkirche hier in Dresden oder bei einem Tourneeauftritt.“

Dr. Ulrich A. Sante, Deutscher Botschafter in Singapur, der zusammen mit Wong “Beethoven im Garten” 2018 begründete, erklärt weiter: „In einer Zeit, in der unsere beiden Länder eine gemeinsame Bedrohung bekämpfen, hat Kahchun Wong ein künstlerisch einzigartig inspirierendes digitales Erlebnis geschaffen, das wie ein Licht am Ende des Tunnels für uns alle sein kann: Indem wir unsere Anstrengungen orchestrieren, werden wir die vor uns liegenden Herausforderungen überwinden. Ursprünglich hatten wir dieses Jahr in physischer Form ein ASEAN-EU-Format mit der „Ode an die Freude“ als europäischer Hymne beabsichtigt, um Deutschlands EU-Präsidentschaft auch in Singapur und der ASEAN-Region sichtbar zu machen. Covid-19 zwang uns, aus der Not eine Tugend zu machen und der virtuelle Raum wird uns jetzt ermöglichen, sogar noch mehr Menschen zusammenzubringen – auf einer nationalen, regionalen und sogar globalen Ebene.“

Prof. Tommy Koh, Sonderbotschafter des singapurischen Außenministeriums, freut sich mit: „Kahchun Wong ist ein Nationalschatz. Die Singapurer sind sehr stolz, dass er Chefdirigent der Nürnerger Symponiker ist. Wir bewundern ihn auch für seinen Ehrgeiz, die Freude an westlicher klassischer Musik mit benachteiligten Kindern zu teilen. Kahchun nutzt die Musik, um die Menschen Singapurs und Deutschlands und die Völker Asiens und Europas einenander näher zu bringen. Beethovens 9. Symphonie und die ‚Ode an die Freude‘ werden auf der ganzen Welt geliebt. Ich freue mich auf das Konzert am 30. Juli.“

Arkadiusz Czopor, Geschäftsführer von T-Systems South-Asia, dessen Unternehmen das Projekt als Platin-Sponsor unterstützt, unterstreicht das Engagement der Firma: „Covid-19 hat massiv Verbindungen unterbrochen und eine Krise ausgelöst, wie sie die Menschheit seit sehr langer Zeit nicht mehr erlebt hat. Unsere Produkte drehen sich alle um Konnektivität. ‚Beethoven 360 Grad’ schafft Zusammenhänge mit Technologie, die es uns gestattet, über die Schönheit von Beethovens Musik wieder Verbindungen herzustellen. Rückblickend konnten wir uns sehr schnell mit dem Projekt identifizieren und hoffen, dass es auch eine Geste der Unterstützung für die Musiker in Singapur und darüber hinaus zu einer Zeit sein kann, in der Künslter weltweit mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen haben. Ein weiterer Grund für unsere enge Verbundenheit mit dem Beethoven-Jubiläumsjahr ist auch, dass unsere Muttergesellschaft - die Deutsche Telekom - in diesem Jahr ebenfalls ihr 25. Jubiläum feiert und dazu noch ihren Hauptsitz in Bonn hat, der Stadt in der Beethoven geboren wurde.“

Das digitale Konzert von ‚Beethoven im Garten‘ 2020 wird ermöglicht mit der finanziellen Unterstützung zahlreicher deutscher und singapurischer Unternehmen, darunter neben T-Systems, Allianz, Capitaland, Deutsche Bank, DZ Bank, Herrenknecht, ST Engineering, Volkswagen, sowie des National Arts Council Singapore, des Auswärtigen Amts und des Medienpartners Straits Times. Es ist das erste Kooperationsprojekt dieser Art einer Auslandsvertretung in Singapur und singapurischen Kulturinstitutionen seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie.

Das Filmmaterial der digitalen Konzertproduktion wird außerdem vom Bildungsministerium Singapurs als Multimedia-Dokumentation produziert und jährlich über 40.000 Schülern zur Verfügung stehen.

Hintergrund

‚Beethoven im Garten’ ist eine jährliche Freiluftkonzertreihe im UNESCO-Weltkulturerbe-Teil des Botanischen Gartens Singapur. Sie wurde 2018 gemeinsam von Kahchun Wong und Dr. Ulrich A. Sante, dem deutschen Botschafter in Singapur als jährliches deutsch-singapurische Begegnungskonzert ins Leben gerufen. Musiker beider Länder engagieren sich in einem musikalischen und kulturellen Dialog und spielen gemeinsam vor Tausenden Einwohnern Singapurs. Viele von ihnen kommen auf diese Weise zum ersten Mal mit klassischer Musik in Berührung.

Die “Foundation for the Arts and Social Enterprise” ist seit 2020 strategischer Partner der Konzertreihe, da diese auch dem Hauptziel der Stiftung dient, Singapur zu einem globalen Kunstzentrum werden zu lassen und damit den nächsten gesellschaftlichen Entwicklungsschritt zu gehen, nachdem das Land in den letzten Jahrzehnten zur ‚First-World-Economy’ aufgestiegen ist.

‚Beethoven 360 Grad’ - Mitwirkende

Um einen Kern aus Musikern der Nürnberger Symphoniker und aus Singapur hat Wong ein Orchester an Musikern versammelt, die sich wie ein ‚Who is who‘ der besten Ensembles der Welt lesen: New York Philharmonic, Chicago Symphony, London Philharmonic, Philharmonia Orchestra, Philadelphia Orchestra, NDR Elbphilharmonie, Münchner Philharmonie, Beijing National Centre for Performing Arts und viele mehr.
Die vier Solisten sind professionelle Opernsänger, die in Deutschland unter anderem an der Frankfurter Oper aktiv sind, während die Hauptchorteile von Sängern des Dresdner Kreuzchors, des ‚Philharmonic Chorus of Tokyo‘ und Mitgliedern des ‚Royal Liverpool Philharmonic Chorus‘ gesungen werden. Der Dresdner Kreuzchor ist der Knabenchor der Kreuzkirche in Dresden. Er hat eine über sieben Jahrhunderte reichende Geschichte und ist weltbekannt. Heute hat der Chor etwa 150 Mitglieder, die auch als „Kruzianer“ genannt werden. Sie sind zwischen 9 und 19 Jahre alt und kommen aus Dresden oder den umliegenden Regionen.

Die ‚Beethooven‘-Mitsingkampagne

Dem digitalen Konzert ging eine weltweite virtuelle Mitsingaktion für die „Ode an die Freude“ voraus. Um die Kampagne inklusiv zu gestalten und einen niedrigschwelligen Einstieg zu ermöglichen, konnte die ‚Ode an die Freude‘ nicht nur mitgesungen, sondern auch mitgesummt, -gepfiffen oder musiziert werden. Über 1.000 Personen aus 20 Ländern und aller Altersstufen beteiligten sich. Zusammengekommen ist eine Vielzahl an Einsendungen, die von ethnischen Instrumenten über aus Bier- und Weinflaschen improvisierten Instrumenten, ‚Beethoven-Cosplays‘ bis zu Tänzen oder Familienbeiträgen reicht. Alle diese Beiträge sind zu einem virtuellen Chor zusammengesetzt worden, der für die Kernidee der Symphonie der universellen Brüderschaft steht.

Die Kampagne wurde „Beethooven“ mit zwei „oo“ als Referenz zu dem Unendlichkeitssymbol ∞ getauft, das für die Gemeinschaft unserer Herzen steht.

Über Kahchun Wong

Wong ist der erste asiatische Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker. Seine internationale Karriere begann, nachdem er „The Mahler Competition“, die Olympischen Spiele des Dirigierens mit annähernd 400 Teilnehmern gewann. Seitdem ist er bei renommierten Orchestern wie den New York Philharmonikern, der Los Angeles Philharmonie, der Tschechischen Philharmonie, der Royal Liverpool Philharmony, der China Philharmony und dem Tokioter Philharmonie Orchester begehrt.

Im Dezember 2019 wurde Wong als jüngstem Singapurer und erstem Künstler aus Singapur für sein herausragendes Engagement und seine außergewöhnlichen Verdienste für die singapurisch-deutschen Beziehungen und die Verbreitung deutscher Musikkultur im Ausland das Bundesverdienstkreuz verliehen. In Singapur ist Wong Empfänger des renommierten „Lee Kuan Yew Scholarship“, des „Young Artist Awards“ und des „Singapore Youth Award“. Er ist Alumnus sowohl des „Yong Siew Toh Conservatory of Music“ in Singpapur als auch er Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

Zusätzlich zu den Abonnement-Konzerten in der Meistersingerhalle und internationalen Tourneen treten Wong und die Nürnberger Symphoniker beim jährlichen „Klassik Open Air“ auf, einer der weltweit größten Freiluftveranstaltungen für klassische Musik mit mehr als 50.000 Zuhörern, die auf BR-Klassik und 3SAT übertragen wird.

Die „Ode an die Freude“ und Beethovens 9. Symphonie

Der Liedtext der „Ode an die Freude“ wurde im Sommer 1785 von dem deutschen Dichter, Dramatiker und Historiker Friedrich Schiller geschrieben. Als Beethoven im Finale seiner 9. Symphonie Schillers Texte verwendete, wurde damit erstmals in der Geschichte die menschliche Stimme in ein symphonisches Werk eingefügt. Die Melodie wurde 1972 als Europahymne bestimmt.

Weltweit haben sich Menschen immer wieder in schwierigen Zeiten auf die Ode bezogen. Chinesische Studenten übertrugen sie auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. An Weihnachten nach dem Fall der Mauer wurde sie in Berlin aufgeführt und bei DAIKU (Nummer 9)-Konzerten jedes Jahr und auch nach dem Tsunami 2011 in Japan aufgeführt. 2001 nahm die UNESCO die Original-Partitur der Sinfonie in das Weltdokumentenerbe auf.

Über Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Ludwig van Beethoven ist der am häufigsten aufgeführte Komponist klassischer Musik der Welt und einer der wichtigsten Botschafter europäischer Kultur. Seine Arbeiten gehören zum kulturellen Erbe der Menschheit. Das Interesse an seiner Musik ist seit Jahrhunderten ungebrochen und zu einem weltweiten Phänomen geworden. Beethoven ist allgegenwärtig und ewig modern. 2020 feiert die gesamte Welt seinen 250. Geburtstag.

Zahlreiche Jubiläumkonzerte wurden weltweit wegen der Corona-Pandemie abgesagt. ‚Beethoven 360 Grad’ bietet einen völlig neuen Zugang zu einem seiner wichtigsten Werke, der sowohl Musikliebhabern als auch Klassik-Neueinsteigern eine völlig neue Konzerterfahrung ermöglicht.
Beethoven hat musikalische Universen und bahnbrechende Arbeiten geschaffen, die bereits zu seiner Zeit die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft überschritten und einen nachhaltigen Eindruck in der Musikgeschichte hinterlassen haben. Seine Musik ist visionär und reflektiert die Europäische Gesellschaft in Zeiten des Umbruchs. Dabei geht sie weit über den ursprünglichen Kontext hinaus und weist den Weg in die Moderne. Beethovens Arbeiten haben dem unbändigen Willen zur sozialen Veränderung, dem Humanismus, der Freiheit der Künste und gesellschaftlichen Utopien eine Stimme verliehen. Und all dies beansprucht bis zum heutigen Tage universelle Gültigkeit.

Quelle: https://www.bthvn2020.de