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27. Februar 2019

Leipziger Synagogalchor und Kammerchor Josquin des Préz setzen Zeichen für Toleranz auf christlich-jüdischem Fundament

Jubilate Deo omnis terra - Hori’u l’Adonoi kol ho’oretz - Jauchzet dem Herrn alle Welt! – Die gleichen Worte klingen aus Synagogen und Kirchen. Für Juden und Christen sind seit Jahrhunderten Psalmen Quelle von Glauben und Spiritualität, Zeugnis von Lebenserfahrung und Inspiration für Gesang. Der Leipziger Synagogalchor und der Kammerchor Josquin des Préz bringen unter der Leitung von Ludwig Böhme dieses gemeinsame Fundament jenseits konfessioneller Grenzen zum Klingen.  

Mit dem Projekt „Cantate l’Adonai“ stellen sich die beiden Chöre gegen die immer weiter zunehmende Fremdenfeindlichkeit innerhalb der Gesellschaft. Gemeinsam erheben die Sängerinnen und Sänger ihre Stimme und setzen ein Zeichen für ein friedliches Miteinander. Das Programm feiert am 9. März im Rahmen des Kurt Weill Festivals Premiere.

Für „Cantate l’Adonai“ wurden sechs der wichtigsten und prägenden Psalmen beider Religionen ausgewählt. Durch die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Vertonungen kann der Hörer Gemeinsamkeiten und Unterschiede spüren. Die Werke sind vielfarbig und international: sie werden in hebräischer, lateinischer und deutscher Sprache gesungen und stammen aus Italien, Frankreich, Dänemark, den USA, Österreich und Deutschland. Die Bandbreite reicht vom schlichten choralhalften Strophenlied bis hin zur monumentalen achtstimmigen Vertonung mit großer Orgel und Cantor. Es erklingen Werke bekannter Meister wie Claudio Monteverdi, Heinrich Schütz und Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Publikum entdeckt aber auch Neues und lernt die Komponisten wie Salomone Rossi, Eduard Birnbaum oder John Høybye kennen.

Über politische und religiöse Grenzen hinweg verbindet dieses einzigartige musikalische Projekt den jüdischen und christlichen Glauben miteinander. Es entsteht eine Diversität, die Vertrautes hörbar macht und neue Perspektiven aufzeigt. Die Musik verbindet und setzt ein Zeichen für ein gemeinsames friedvolles Miteinander im 21. Jahrhundert.

Bereits im vergangenen Jahr arbeiteten der Leipziger Synagogalchor und der Kammerchor Josquin des Préz erfolgreich zusammen. Die beiden Ensembles erweckten auf Initiative und unter Leitung von Ludwig Böhme ein Stück Leipziger Stadtgeschichte wieder zum Leben und rekonstruierten ein Konzert, das am 14. März 1926 in der Großen Leipziger Gemeindesynagoge stattfand. Die CD-Produktion des kompletten Konzertprogramms unter dem Titel „Klingende Toleranz“ erschien im Januar 2019 beim Label querstand.

Der 1962 gegründete Leipziger Synagogalchor ist das einzige deutsche Ensemble, das sich ausschließlich auf jüdische Chormusik in all ihren Facetten spezialisiert hat. Der Chor wurde mit dem Ziel gegründet, die durch den Holocaust verstummte jüdische Musik wieder erklingen zu lassen. Konzertreisen führten den Chor durch Deutschland und Europa, in die USA sowie nach Brasilien und Südafrika. Auf seiner dritten Israel-Tournee im November 2017 begeisterte der Chor das Publikum in ausverkauften Konzerten. Für seine herausragenden Leistungen wurde der Leipziger Synagogalchor im Januar 2017 mit dem Ehrenpreis der Obermayer German Jewish History Awards ausgezeichnet. Das Ensemble ist Mitglied im Netzwerk „Tolerantes Sachsen“.

Bemerkenswerte musikalische Einfühlsamkeit und Stilsicherheit werden dem Kammerchor Josquin des Préz von Presse und Publikum bescheinigt. 1987 gegründet, war der Leipziger Chor bis heute in über 500 Konzerten zu erleben und hat sich als renommiertes Ensemble für Alte Musik etabliert. Die hervorragende Qualität des 16köpfigen Ensembles zeigte sich im Mai 2018 mit einem Sieg in der „Königsklasse“ der Kammerchöre beim 10. Deutschen Chorwettbewerb in Freiburg. Erstmals weltweit erklang auf Initiative des Ensembles und unter Leitung von Ludwig Böhme das Gesamtwerk des Komponisten Josquin des Préz zusammenhängend in einem Konzertzyklus (2004 bis 2017). Die CD „Missa Pange lingua“ mit Werken von Josquin des Préz wurde mit dem Supersonic Award der Zeitschrift „pizzicato“ ausgezeichnet. Zahlreiche Tourneen führten die Sänger durch ganz Europa. Vom Goethe-Institut wurde der Chor als Kulturbotschafter Deutschlands 2006 nach Albanien und 2012 nach Argentinien gesandt.

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„Cantate l’Adonai – Singet dem Herrn”

Psalmen aus Synagogen und Kirchen mit dem Leipziger Synagogalchor und dem Kammerchor Josquin des Préz

  • 03.2019, 19:30 Uhr, im Rahmen des 27. Kurt-Weill-Festivals, Petruskirche Dessau
    Ludwig Böhme, Leitung | Falk Hoffmann, Tenor | Ulrich Vogel, Orgel
  • 05.2019, 18 Uhr, Dom St. Petri Bautzen
    Ludwig Böhme, Leitung | Falk Hoffmann, Tenor | Daniel Beilschmidt, Orgel
  • 05.2019, 17 Uhr, St. Bartholomäus Waldenburg
    Ludwig Böhme, Leitung | Falk Hoffmann, Tenor | Daniel Beilschmidt, Orgel
  • 10.2019, 17 Uhr, Friedenskirche Zwickau

Ludwig Böhme, Leitung | Falk Hoffmann, Tenor | Daniel Beilschmidt, Orgel

  • 10.2019, 17 Uhr, St. Nicolai Döbeln

Ludwig Böhme, Leitung | Falk Hoffmann, Tenor | Daniel Beilschmidt, Orgel

Programm

PSALM 24
Andreas Hammerschmidt (1611-1675): Machet die Tore weit
Eduard Birnbaum (1855-1920): Se’u sche‘orim

PSALM 98
Heinrich Schütz (1585-1672): Singet dem Herrn
Heinrich Schalit (1886-1976): Mismor. Schiru l’Adonoi
Claudio Monteverdi (1567-1643): Cantate dominum

PSALM 100
Salamone Rossi Hebreo (c.1570-c.1630): Mismor letoda. Hari’u l’Adonai kol ha’aretz
Samuel Naumbourg (1817-1880): Mismor lesodoh. Hori’u l’Adonoi kol ho’oretz
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847): Jauchzet dem Herrn alle Welt
John Høybye (*1939): Jubilate Deo

PSALM 121
Salamone Rossi Hebreo: Schir lama’alot. Esa einai el heharim
Louis Lewandowski (1821-1894): Ich erhebe meine Augen zu den Bergen
Wilhelm Weismann (1900-1980): Der 121. Psalm

PSALM 137
Salomon Sulzer (1804-1890): Al naharos bowel
Heinrich Schütz: An den Wassern zu Babel

PSALM 150
Heinrich Schütz: Lobt Gott in seinem Heiligthum
Louis Lewandowski: Halalujoh, halaluhu el b‘kodscho

Quellen:
http://www.synagogalchor-leipzig.de
http://josquin-projekt.de