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14. März 2019

Leipzig begeht 2019 das Jubiläum „500 Jahre Leipziger Disputation"

Vor 500 Jahren kam es in Leipzig zu einem rund dreiwöchigen Streitgespräch zwischen dem katholischen Theologen Johannes Eck und den Reformatoren Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon. Dieser von der Universität organisierte Austausch von theologischen Argumenten, der zum endgültigen Bruch Luthers mit Rom führte, ging als „Leipziger Disputation“ in die Geschichte ein. Im Eröffnungsgottesdienst der Disputation am 27. Juni 1519 führten die Thomaner unter Leitung ihres Kantors Georg Rhau in der Thomaskirche eine zwölfstimmige Messe auf, bei der es sich vermutlich um Antoine Brumels Missa „Et ecce terrae motus“ handelte.

Am 16. Juni 2019 veranstaltet das Bachfest Leipzig in Kooperation mit der Stadt Leipzig einen Thementag „500 Jahre Leipziger Disputation“. Der 16. Juni ist nicht zufällig gewählt, war er doch nach dem damals gebräuchlichen julianischen Kalender der Eröffnungstag der Disputation. Den musikalischen Höhepunkt des Tages bildet das Festkonzert mit der Missa „Et ecce terrae motus“ aus dem damaligen Eröffnungsgottesdienst, das um 17 Uhr in der Thomaskirche erklingt. Die Leipziger Vokalensembles amarcord und Calmus sowie Anna Kellnhofer und Isabel Schicketanz (beide Sopran) stellen das grandiose Musikspektakel anlässlich des Jubiläums nach und disputieren auf musikalische Weise: mit allerhand Huldigungs- und Spottliedern auf Luther und den Papst.

Dr. Skadi Jennicke, Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig, ist begeistert: „Das Gemeinschaftsprojekt der Ensembles amarcord und Calmus ist zweifelsohne ein Höhepunkt des Jubiläums ‚500 Jahre Leipziger Disputation‘. Das Konzert lässt die Geschichte lebendig erleben: Leipzig wird als bedeutender Ort der 500jährigen Reformationsgeschichte gewürdigt und es begegnen sich die renommiertesten Talente der Leipziger Vokalmusik. Ich freue mich auf die schon damals so empfundene Zukunftsmusik.“

Dr. Michael Maul, Intendant des Bachfestes Leipzig: „Ich bin glücklich, dass wir diese einzigartige musikalische Disputation während des Bachfestes am historischen Ort, der Thomaskirche, erleben können. Und ich bin mir sicher, dass wir alle über die Kunsthaftigkeit von Brumels epochaler Messe staunen – und uns über die Vehemenz der musikalischen Auseinandersetzung zwischen Lutheranern und Katholiken wundern werden. Kurz: Der musikalische Soundtrack zur Reformationsgeschichte. Mit hohem Gänsehautfaktor!“

Auf CD erscheint die „Erdbebenmesse“ bereits am 8. März (Carus). Ergänzt wurde die Aufnahme mit dem ebenfalls zwölfstimmigen „Agnus Die“ aus der Missa „Tempore Paschali“ von Nicolas Gombert, dem siebenstimmigen „Beati immaculati in via / Vive Luthere“ von Johann Walter sowie Werken für vier bzw. fünf Stimmen von Thomas Stoltzer, Cipriano de Rore, Josquin des Préz und gregorianischen Gesängen. Im Konzerthaus Berlin (7. November) kommt das Programm ebenfalls zur Aufführung.

Natürlich werden „500 Jahre Leipziger Disputation“ auch mit streitbaren Wortformaten gewürdigt. Im April (5. – 7. April) findet initiiert vom Verein Forum Reformation e.V. die Konferenz „Streiten lernen mit Luther – Reformationsgeschichte mit Gesellschaftsrelevanz“ im Paulinum – Aula/Universitätskirche statt und stellt die Frage: Welche Relevanz besitzt das Ereignis im gegenwärtigen kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Kontext? Die hochkarätigen Redebeiträge (u.a. Prof. Dr. Alexander Deeg, Dr. Eugen Drewermann, Prof. Dr. Thomas Kaufmann, Prof. Dr. Armin Kohnle, Prof. Dr. Dorothea Sattler, Friedrich Schorlemmer, Pfr. i. R. Christian Wolff) klingen am Abend mit Jazz und Slams in der Moritzbastei aus.

Einen weiteren Höhepunkt des Jubiläums „500 Jahre Leipziger Disputation“ bildet das Streitgespräch „Mit Religion Staat machen“ am Dienstag, 25. Juni (20 Uhr). Die Politiker Gregor Gysi und Annegret Kramp-Karrenbauer diskutieren in der Moderation von Heike Schmoll (FAZ) im Paulinum – Aula/Universitätskirche. Begleitet wird die Veranstaltung von Ausschnitten der Missa „Et ecce terrae motus“, ebenfalls durch die beiden Ensembles Amarcord und Calmus,

Pfarrerin Britta Taddiken: „Über zehn Jahre hinweg konnten wir das Disputationsprojekt als Kooperation zwischen der Kirchgemeinde St. Thomas, der Universität Leipzig und der Stadt Leipzig mit renommierten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gestalten. In diesem Jahr begegnen sich Herr Gysi und Frau Kramp-Karrenbauer. Dies ist zugleich Höhepunkt und erfolgreicher Abschluss der Serie.“

Quelle: https://www.leipzig.de