Zurück Weiter
Die Jury des Wolf Durmashkin Composition Awards, v.l.n.r.: Jäger, Mast, Schleske, Redmann, Müller-Wieland, Czorny, Beker
Die Jury des Wolf Durmashkin Composition Awards, v.l.n.r.: Jäger, Mast, Schleske, Redmann, Müller-Wieland, Czorny, Beker (Foto: Conny Kurz)

22. Februar 2018

Jury des Wolf Durmashkin Composition Awards gibt Preisträger*innen bekannt

Die Jury des Wolf Durmashkin Composition Awards hat am 19. Februar 2018 in München getagt. Es gibt wohl kaum einen symbolischeren Ort für die Sitzung der Jury als die heutige Hochschule für Musik und Theater München im ehemaligen "Führerbau" in der Arcisstraße.

Erstmals wurde ein Kompositionspreis vergeben, der einem jüdischen Komponisten gewidmet ist, der 1944 Opfer des nationalsozialistischen Terrors und Holocaust wurde: Wolf Durmashkin

In eine anonymen Verfahren wurden die Siegerkompositionen durch die siebenköpfige Jury ermittelt: Die vier Fachpreisrichter für den Bereich Musik und Komposition, Prof. Dr. Bernd Redmann (HMTM), Prof. Jan Müller-Wieland (HMTM), Prof. Tilman Jäger (HMTM), Mark Mast (Bayerische  Philharmonie) sowie die drei Sachpreisrichter Sonia Beker (Angehörige der Familie Durmashkin und eigens aus den USA angereist), Martin Schleske (Geigenbauer aus Landsberg), Jennifer Czorny (Landsberger Jugendliche der Schülerarbeitsgruppe KZ-Außenlager Lager VII), waren sich –  berührt vom einzigartigen und einfühlsamen Umgang mit der Thematik des Wettbewerbes – schnell einig.

Der erste Preis wurde an die Komponistin, Bracha Bdil, aus Israel vergeben, die sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt.

Umso mehr wurde sich die Jury nach Aufhebung der Anonymisierung bewusst, eine symbolträchtige Entscheidung getroffen zu haben, die dem Geist des Wettbewerbs entspricht.

Die Preisträger des ersten Wolf Durmashkin Composition Awards sind:

1. Preis: BRACHA BDIL
Wohnort/Land: Jerusalem/ Israel, Jahrgang 1988

2. Preis: ROSE MIRANDA HALL
Wohnort/Land: York, England, Jahrgang 1991

3. Preis: OTTO WANKE
Wohnort: Wien/Österreich, Jahrgang 1989

--- update vom 8. März 2018 ---

Der erste Preis wurde an die Komponistin Bracha Bdil aus Israel für eine besondere, puristische, auf Tenor und Horn reduzierte, Partitur vergeben. „’Hayom’ – hebräisch für ‚heute’ – heißt ihr Stück, das wir als eine interessante Konstellation, eine gelungene Auseinandersetzung mit der Thematik sowie auch musikalisch eine schöne Gestaltung empfanden“, erklärt Mark Mast, Intendant und Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie.

Bereits seit Jahren beschäftigt sich die junge Künstlerin Bracha Bdil mit dem Holocaust. Umso mehr wurde sich die Jury nach Aufhebung der Anonymisierung bewusst, eine symbolhafte Entscheidung getroffen zu haben, die dem Geist des Wettbewerbs entspricht.

Die Preisverleihung findet am 9. Mai 2018 in Landsberg am Lech statt. Einen Tag später werden die Siegerkompositionen im Rahmen eines Jubiläumskonzertes in Landsberg uraufgeführt – in Anwesenheit der Nachkommen des Namensgebers Wolf Durmashkin sowie weiterer Ehrengäste und Zeitzeugen. Das Datum markiert den 70. Jahrestag des Konzerts des DP-Orchesters zusammen mit der Gründung des Staates Israel (14. Mai 1948).

Ein Initial für die Hochschule

„Dass das Projekt etwas Besonderes ist, hat sich durch den Wettbewerb und die Jury-Sitzung einmal mehr bestätigt“, betont Prof. Dr. Bernd Redmann, Präsident der Hochschule für Musik und Theater München. „Die Komponistinnen und Komponisten haben sich auf einzigartige Weise mit einem wichtigen Aspekt der jüngeren Zeitgeschichte auseinander gesetzt – ein wunderbares Beispiel für eine aktive Erinnerungskultur, der wir uns auch wegen unserer Räumlichkeiten
besonders verpflichtet fühlen.“ 1937 wurde das heutige Gebäude der Hochschule für Musik und Theater München an der Arcisstraße als „Führerbau“ eröffnet, in dem unter anderem das Büro Adolf Hitlers zu finden war.

Initiiert und entwickelt haben das Projekt der Landsberger Künstler Wolfgang Hauck und die Journalistin Karla Schönebeck. „Es gibt wohl kaum einen symbolträchtigeren Ort für unsere Jury-Sitzung als die Hochschule für Musik und Theater München mit ihrer Geschichte“, sagt Hauck, der Sonia Beker im Anschluss durch die Räumlichkeiten führte und sie auf deren besondere Bedeutung hinwies. Diese äußerte sich sichtlich gerührt: „Was für ein Triumph für all die Menschen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben.“

Der WDCA ist ein Projekt des Landsberger Kulturvereins dieKunstBauStelle e.V. in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München und der Bayerischen Philharmonie.

Quelle: http://www.wdc-award.org