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04. Dezember 2017

Editionsprojekt „Bach vocal“ - geistliches Vokalwerk von J. S. Bach liegt nun vollständig vor

Im Reformationsgedenkjahr hat der Carus-Verlag Stuttgart sein ehrgeiziges Edi-tionsprojekt „Bach vocal“ in Kooperation mit dem Bach-Archiv Leipzig abge­schlossen: Innerhalb der Stuttgarter Bach-Ausgabe liegt das gesamte geistliche Vokalwerk von Johann Sebastian Bach nun vollständig vor.

Ab sofort gilt: Zu allen Motetten, Messen, Passionen, Oratorien und den gut 200 geistlichen Kantaten des berühmten Thomaskantors ist bei Carus Notenmaterial für Chor und Orchester auf dem aktuellen Stand der Forschung erschienen. Damit setzt Carus neue Standards, denn im Bereich der geistlichen Vokalmusik sind viele Werke letztmalig vor 50 und mehr Jahren ediert worden, noch dazu meist ohne Aufführungsmaterial.

Am 9. Dezember 2017 um 11 Uhr lädt der Carus-Verlag ins Leipziger Bach-Archiv, um den Abschluss dieses großen Editionsprojekts mit einem prominent besetzten wissenschaftlichen Symposium und anschließendem Empfang zu feiern. Zu diesem Anlass wird auch die Gesamtedition aller Partituren in einem hochwer­tig ausgestatteten Schuber präsentiert, die das Editionsprojekt „Bach vocal“ beschließt.

Noten nach neuesten wissenschaftlichen Standards, eingerichtet für die Praxis

Für die Stuttgarter Bach-Ausgabe, die in Kooperation mit dem Bach-Archiv Leipzig erarbeitet wurde, hat Carus größten Wert auf die wissenschaftliche Neuedition der Noten gelegt. Die Ausgaben dienen jedoch nicht wissenschaftlichem Selbst­zweck. Der deutsche Marktführer im Bereich Chormusik hat stets die Aufführung der Musik im Blick. Konsequent wurden zu allen Werken Partituren, Klavieraus­züge, Chorpartituren und Orchestermaterial vorgelegt – bislang ein Desiderat, denn zur letzten Gesamtausgabe ist nur ein kleiner Teil der Bach-Werke mit Auf­führungsmaterial verfügbar. Dirigenten, Sänger und Instrumentalisten mussten bislang auf Material aus dem 19. Jahrhundert zurückgreifen, das den heutigen Ansprüchen an eine historisch-informierte Aufführung nicht gerecht wird. Viele der auf neuesten Erkenntnissen beruhenden Änderungen im Notentext sind durchaus hörbar und von führenden Bach-Interpreten unserer Zeit, u.a. Frieder Bernius, Hans-Christoph Rademann und Masaaki Suzuki, auf CD eingespielt worden.

Neue Wege bei den Großwerken

Neue Wege der Edition wurden bei Bachs Großwerken beschritten: Als bislang einziger Verlag hat Carus neben der etablierten, auf das 19. Jahrhundert zurück­gehenden Mischfassung der Johannes-Passion BWV 245 auch die beiden noch vollständig erhaltenen, von Bach selbst tatsächlich auch musizierten Fassungen von 1725 und 1749 vorgelegt. Zu Recht erobern sich diese Fassungen nun ihren Platz im Konzertleben.

Einen neuen Ansatz verfolgte Carus auch bei Bachs Messe in h-Moll. In Kyrie und Gloria folgt die Carus-Edition erstmals konsequent den von Bach 1733 ausführlich bezeichneten Dresdner Stimmen, statt eine editorisch problematische Mischung aus Partiturfassung und Stimmen herzustellen, die Bach so nicht gekannt hat. So können Musiker für heutige Aufführungen von Bachs Opus Ultimum auf wertvol­le Informationen zugreifen.

Fassungen letzter Hand vs. Frühfassungen

Bei der Wahl der zu berücksichtigenden Werkform wurde nicht nur nach Fassun­gen letzter Hand gesucht – eine ästhetische Größe, die sich auf Bachs Werke oh­nehin nicht sinnvoll anwenden lässt –, sondern stets auch nach der Praxisrelevanz gefragt. Im Falle der Kantate Lobe den Herren BWV 69 wurde z.B. neben der spä­ten Ratswahlkantate auch die von Bach selbst in früheren Jahren mehrfach aufge­führte Fassung zum 12. Sonntag nach Trinitatis herausgegeben (BWV 69a). Der im Kirchenjahr verankerte Text erweitert die kirchenmusikalischen Möglichkeiten für diese prächtige Kantate deutlich.

15 Rekonstruktionen machen Aufführungen erstmals möglich

Bei einer Ausgabe für die Praxis kann es bei unvollständiger Überlieferung keine leeren Systeme geben. Behutsame Ergänzungen machen auch solche Werke wie­der aufführbar, sofern der erhaltene Quellenbestand dies erlaubt. Hierzu wurden erfahrene Bach-Interpreten hinzugezogen, z.B. Masaaki Suzuki und Pieter Dirk­sen. Alle rekonstruierten Teile sind im Notentext deutlich kenntlich gemacht.

Lösungen für die frühen Kantaten Bachs

Die Stimmtondifferenzen zwischen den Instrumentengruppen in Bachs frühen Kantaten stellen Musiker stets vor Probleme. Carus-Ausgaben bieten hier Lösun­gen, die von Fall zu Fall sehr unterschiedlich ausfallen, aber stets in eine unter heutigen Bedingungen aufführbare Fassung münden. In vielen Fällen erlaubt das Aufführungsmaterial Spezialensembles zusätzlich aber auch die Aufführung unter „historischen Bedingungen“ (Streicher und Bläser auf verschiedenen Stimmtönen) – auch dies ein Novum innerhalb der Bach-Edition.

Kontinuierliche Revision – eine Verpflichtung gegenüber Bachs Erbe

Carus hat seine Bach-Ausgabe in den vergangenen Jahren immer wieder den be­ständig fortschreitenden Erkenntnissen der Bach-Forschung angepasst. Diese fort­währende Aktualisierung ist zu einem wichtigen Alleinstellungsmerkmal der Stutt­garter Bach-Ausgabe geworden.

Gesamtedition in 23 Bänden

Eine 23-bändige Gesamtedition der Partituren in drei Schubern schließt das Pro­jekt „Bach vocal“ jetzt ab. In den über 12.500 Partiturseiten in einem auch zum Di­rigieren noch geeigneten lesefreundlichen Klavierauszugsformat wird jeder, der sich mit der Musik Bachs beschäftigt, mit Gewinn stöbern und studieren.

Symposium im Bach-Archiv Leipzig zum Projektabschluss

Um den Abschluss dieses großen Editionsprojekts zu feiern, lädt Carus am
9. Dezember 2017 um 11 Uhr ins Leipziger Bach-Archiv ein. Unter dem Dach des langjährigen wissenschaftlichen Kooperationspartners diskutieren im Rahmen ei­nes Symposiums die namhaften Bach-Forscher Dr. Christine Blanken, Dr. Ulrich Leisinger, Prof. Dr. Peter Wollny und Dr. Uwe Wolf mit dem Dirigenten und Bach-Preisträger Prof. Frieder Bernius zum Thema „Bach-Editionen im Jahr 2017“.

Quelle: http://www.carus-verlag.de