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Johannes Lindemann (Hg.), Amorum Filii Dei Decades Duae..., Erfurt: G. Baumann 1598, Nr. 7: In dir ist Freude
Johannes Lindemann (Hg.), Amorum Filii Dei Decades Duae..., Erfurt: G. Baumann 1598, Nr. 7: In dir ist Freude (Foto: Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar)

22. November 2017

Weimarer Tagung thematisiert Geschichte des Laienmusikwesens in der Kirche

Zu einer internationalen Tagung lädt das gemeinsame Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein. „Die Adjuvanten als Brennspiegel des italienisch-deutschen Musiktransfers“ lautet das Thema, das in Kooperation mit der Academia Musicalis Thuringiae unter der Leitung von Prof. Dr. Helen Geyer und Dr. Michael Chizzali beleuchtet wird. Im Rahmen der Tagung von Donnerstag, 30. November bis Samstag, 2. Dezember in der Petersen-Bibliothek des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar werden Vorträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Polen, Italien und den USA zu hören sein. Der Eintritt zur Tagung ist frei, Interessierte sind herzlich willkommen!

Die Adjuvanten stellen den Inbegriff des kirchlichen Laienmusikwesens im mitteldeutschen Raum vom 16. bis weit in das 20. Jahrhundert dar. Eindrucksvoll bezeugen dies die reichen Musikalienbestände zahlreicher thüringischer Pfarrgemeinden, welche das Thüringische Landesmusikarchiv seit 2001 akkumuliert und erschließt. Als Rezipienten des internationalen Repertoireaustausches bilden die Adjuvanten wichtige musikalische Tendenzen der Zeit ab, wobei im Zuge des Stilumbruches um 1600 der Achse Italien-Deutschland eine prominente Rolle zukommt.

Von diesem Moment ausgehend, möchte die Tagung die Adjuvantenkultur aus einer vermehrt transfergeschichtlichen Perspektive unter die Lupe nehmen: Zur Sprache kommen sollen nicht nur die Adjuvanten selbst sowie ästhetische, aufführungspraktische und konfessionell-liturgische Implikationen ihres Repertoires, sondern auch vergleichbare Phänomene des kirchlichen Laienmusizierens im gesamtdeutschen, italienischen und osteuropäischen Raum. Über die zeitdynamische Relevanz italienischer Musikimporte hinaus avancieren somit die Distribution von Musik abseits etablierter Tradierungslinien, die Aktionsfelder kirchlicher Laienmusik sowie die Musikpraxis in Spannungsfeldern sozialer wie professioneller Diversifizierung zu zentralen Diskussionsgegenständen der Tagung.

Das Tagungsprogramm im Überblick:

Donnerstag, 30. November 2017

09.15     Eröffnung (Prof. Dr. Helen Geyer, Dr. Michael Chizzali)

09.45    Prof. Dr. Helmut-Eberhard Paulus (Würzburg):
Italienischer Barock in den Thüringer Residenzen. Künstlerischer Transfer, bildliche Grenzüberschreitung und fürstliche Repräsentation

10.30    Prof. Dr. Egbert J. Seidel (Weimar):
Zur Geschichte der Immigration und Integration italienischer Einwanderer in Mitteldeutschland im 15. bis 19. Jahrhundert

11.45     Dorlies Zielsdorf (Langen):
Die Entwicklung der Adjuvantenkultur in Thüringen

14.30    Prof. Dr. Helen Geyer (Weimar):
Italienische Moderne als Vorbild?

15.15     Prof. Dr. David Bryant und Dr. Elena Quaranta (Venedig):
Mini-Panel: Performers, Practice, Compositional Style and the Economics of Sacred Music Production in Sixteenth- and Seventeenth-Century Italy: a Fertile Environment for ‘Musiktransfer’?

17.00     Keynote: Prof. Dr. Massimo Ossi (Bloomington):
„Stile Italiano in Mano Oltremontana”: What does it mean to import another Culture‘s Musical Style?

Freitag, 01. Dezember 2017

09.30    Dr. Christoph Meixner (Weimar):
„Neuer Rohstoff an Untersuchungsmaterial“: Spuren des europäischen Kulturtransfers in den Thüringer
'Adjuvantenarchiven

11.30     Prof. Dr. Marina Toffetti (Padua):
The Reception of Italian Sacred Music in Central-Eastern Europe in the Early Baroque Era: Current Projects and Research Perspectives

14.30     Dr. hab. Aleksandra Patalas (Krakau):
Music life in Dominican monasteries in the former Polish-Lithanian Commonwealth. The case of the monastery in Gidle - the local Marian shrine

15.15     Dr. Christian Storch (Bad Liebenstein):
Adjuvantische Strukturen in den deutsch-protestantischen Immigrantengemeinden von Santa Catarina, Brasilien, im späten 19. Jahrhundert

16.30     Prof. Dr. Joachim Kremer (Stuttgart):
Abseits des höfischen Zentrums: Spurensuche der Musikpflege in Württemberg

17.15     Sebastian Biesold M.A. (Bonn):
Nicht-Adjuvanten: Mitglieder von Fürstenfamilien als Laienmusiker in der Kirchenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts

Samstag, 02. Dezember 2017

09.15     Dr. Michael Chizzali (Weimar):
Die „italienischen“ Kontrafakturen des Erfurter Druckers Georg Baumann und ihre Rezeption in Adjuvantenhandschriften des 16. und 17. Jahrhunderts

10.00     Dr. Steffen Voss (München):
„beneben einem Generaldiskant für die Schulmägdelein“. Die mehrchörige Motette mit Choral-Cantus firmus bei Michael Altenburg

11.15     Stefan Garthoff M.Mus. (Naumburg):
David Heinrich Garthoff. Das b steht für Gefahr

12.00    Abschlussdiskussion

Quelle: http://www.hfm-weimar.de