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25. September 2017

Synagogenrundfahrt des Usedomer Musikfestivals entdeckt vergessenes jüdisches Erbe

Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns schlägt die Synagogenrundfahrt des Usedomer Musikfestivals auf: Am Dienstag, den 26.9. entdeckt die von Dr. Robert Kreibig geführte Bustour jüdisches Leben, Musik und Geschichte in Mecklenburg-Vorpommern an Originalschauplätzen: den restaurierten Fachwerksynagogen von Stavenhagen und Röbel / Müritz. Besucher erwarten hochkarätige Konzerte an den einzelnen Stationen mit der Usedomer Musikpreisträgerin 2017, Emilia Lomakova am Cello und der Violinistin Noga-Sarai Bruckstein. Sie spielen auch Werke vergessener jüdischer Meister.

Thomas Hummel, Intendant des Usedomer Musikfestivals: „Beim Usedomer Musikfestival gedenken wir seit 2009 mit unseren jährlichen Synagogenrundfahrten der Geschichte und Musik der Juden in Mecklenburg-Vorpommern. Wir wollen ein Schlaglicht auf die architektonischen Kleinode der Synagogen und die unbekannte jüdische Geschichte in den Dörfern unseres Bundeslandes werfen. Ein besonderer Dank gilt damit auch den Helfern, Unterstützern und Vereinen, die sich für den Aufbau der Synagogen einsetzen“.

Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Region Pommern und Mecklenburg über 8000 Juden. Ihre Deportation in Deutschland und später in ganz Europa begann 1938 in Pommern. So brannten während der Pogromnacht im November 1938 auch in vielen Städten MVs die Synagogen: in Alt-Strelitz, Güstrow, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin, Stralsund, Anklam, Pasewalk, Torgelow sowie im heute polnischen Stettin und Swinemünde. Nach dem Krieg blieben schließlich nur noch knapp 100 jüdische Einwohner auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern übrig. Heute kümmern sich zahlreiche Initiativen, wie der Verein Alte Synagoge Stavenhagen, der Verein Land und Leute in Röbel oder der Freundeskreis Hagenower Museum e. V. um Erhalt, Pflege und kulturelle Belebung der alten Bauten. Die hochkarätig besetzen Konzerte der „Internationalen Tage jüdischer Musik“ laden ein dieses weitestgehend unbekannte Erbe zu entdecken.

Ausnahmetalent am Cello
Die im ukrainischen Odessa am Schwarzen Meer geborene Emilia Lomakova (25) erhält den mit 5000 Euro dotierten Usedomer Musikpreis der Oscar und Vera Ritter-Stiftung. Auf Usedom ist Emilia Lomakova längst keine Unbekannte mehr: Als regelmäßige Teilnehmerin der Meisterklassen des „Ostsee Musikforums“ – gefördert von NDR, Usedomer Musikfestival und Tonkünstlerverband MV – unter der Leitung des litauischen Cellisten David Geringas erweckte sie bald die Aufmerksamkeit von Publikum und Kritik. Geboren wurde die junge Cellisten 1992 in Odessa (Ukraine). Im Alter von sechs Jahren erhielt sie Cellounterricht an der Spezialschule für Musik “Stolyarskiy” bei Professorin V.V. Balon-Rymashevskaya. Von 1999 bis 2004 nahm sie jeden Sommer Meisterkurse an der Sommer-Musikschule der Insel Hvar in Kroatien. Im Jahr 2010 begann sie ein Studium am Höheren Konservatorium “Nezhdanova” in Odessa. Emilia zeigte bereits in jungen Jahren eine außergewöhnliche Musikbegabung. Als Solistin und Mitglied in Kammerensembles wirkte sie bereits in zahlreichen Konzerten in Odessa und in der ganzen Ukraine mit. Unter anderem spielte sie als Solistin Konzerte mit dem Kammerorchester der Staatlichen Philharmonie Odessa. In den Jahren 2001 bis 2010 trat sie regelmäßig als Solistin in Deutschland auf. 2010 wurde sie zu zahlreichen Projekten an das staatliche Theater der Oper und des Balletts in Odessa als Solo-Cellisten eingeladen. Seit 2014 ist sie Stipendiatin des Vereins Yehudi Menuhin Live Music Now Berlin e.V. Sie erhielt für ihr Wirken bereits zahlreiche hochkarätige Preise. Seit 2011 studiert sie an der UDK Berlin in der Klasse von Professor Marcus Nyikos.

Quelle: http://www.usedomer-musikfestival.de.