Zurück Weiter
Nachgebaute Silbermann-Truhenorgel der Bachakademie Stuttgart (Foto: Holger Schneider/Bachakademie)

26. August 2016

Nachbau einer Silbermann-Truhenorgel wird Herzstück der neu formierten Ensembles der Stuttgarter Bachakademie

Akademieleiter Hans-Christoph Rademann präsentierte Medienvertretern kurz vor Auftakt des Musikfest Stuttgart 2016 den Nachbau einer Silbermann-Truhenorgel, der künftig das Herzstück der neu formierten Ensembles der Internationalen Bachakademie Stuttgart, der Gaechinger Cantorey, verkörpern wird. Mit der Entscheidung für ein eigenes Barockorchester und einen nach aufführungspraktischen Kriterien zusammengestellten Chor schlägt die Bachakademie einen neuen Weg ein. Klangliches Fundament und zugleich internationales Alleinstellungsmerkmal dieses neuen Wegs ist der von der Bachakademie in Auftrag gegebene Nachbau einer originalen Truhenorgel aus der Orgelwerkstatt des legendären Bach-Zeitgenossen Gottfried Silbermann, die erst kürzlich im sächsischen Seerhausen entdeckt worden ist. Als originalgetreues Exponat barocker Klangvorstellungen bildet dieser Nachbau das ideelle Zentrum einer Bachakademie der Zukunft.

Im Jahr 2013 wurde in der Schlosskapelle von Seerhausen, in der Nähe von Riesa, ein schwer beschädigtes Truhenpositiv (eine tragbare Kastenorgel) gefunden, von dem nahezu sämtliche Orgelpfeifen und die Klaviatur fehlten. Auch wenn sich zunächst kein Hinweis auf den Erbauer entdecken ließ, so waren sich die herbeigerufenen Experten sicher, ein Instrument aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor sich zu haben. Eingehendere Untersuchungen und Vergleiche des erhaltenen Materials (darunter eine Zinnpfeife, eine Taste und das Schnitzwerk auf dem Einsetzer unter der Klaviatur) mit komplett erhaltenen Orgeln aus dem 18. Jahrhundert durch die Orgelbauwerkstatt Kristian Wegscheider (Dresden) erbrachten schließlich den Nachweis, dass es sich bei dem Truhenpositiv aus Seerhausen um ein Instrument aus der Werkstatt des berühmten sächsischen Orgelbauers und Bach-Zeitgenossen Gottfried Silbermann (1683-1753) handelt. Die Datierung dieser sensationellen Entdeckung – bisher war kein derartiges Instrument von Silbermann bekannt – fixierte der Orgelbauer Hartmut Schütz auf das Jahr 1722.

Unterstützt von einem großzügigen privaten Spender, hat die Internationale Bachakademie von der  Orgelbauwerkstatt Wegscheider einen Nachbau dieses Truhenpositivs von Gottfried Silbermann anfertigen lassen.

Quelle: http://www.bachakademie.de