Häuserportraits

Theater und Philharmonisches Orchester Heidelberg

Bei der Sanierung des Theaters inmitten der Heidelberger Altstadt wurden 2008-12 fünf historische Bauten zusammengefasst. Der alte Zuschauersaal von 1923 und ein um 90 Grad versetzter neuer Saal teilen sich seitdem ein Bühnenhaus.

Zu diesem Haus

Standort

Heidelberg

Architekten

  • Friedrich Lendorf
  • Waechter + Waechter Architekten

Bauherr

Theater- und Orchesterstiftung Heidelberg

Eröffnung

1853 / 2012

BGF

15.440 m²

Bühnen

1

Plätze

350 / 500

Die Hauptspielstätte des fünf(!) Sparten (Schauspiel, Konzert, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater sowie eine Tanzsparte) umfassenden Theater Heidelberg konnte 2012 nach einer Sanierung und Erweiterung wieder eröffnet werden. Möglich wurden die umfangreichen Erneuerungen und Ergänzungen durch hohe Spendenbeträge aus der Bürgerschaft. Die Herausforderung bestand darin, die für Arbeitsstätten und einen Spielbetrieb nach heutigen Anforderungen notwendigen künstlerischen und technischen Raumbereiche zwischen denkmalgeschützten Gebäuden zu organisieren. Eingepasst zwischen zwei schmalen Korridorstraßen ist inmitten der Heidelberger Altstadt ein neues Theater mit Bühnenhaus, Zuschauersaal, Probesaal, großzügigem Foyer und Werkstätten entstanden.

Das historische Theatergebäude in Heidelberg – dessen Kern ein spätklassizistisches Gebäude von 1853 bildet – musste 2006 wegen erheblicher Baumängel geschlossen werden. Die Vorgaben für die Sanierung und den Neubau waren äußerst komplex: Das neue Theater sollte sich in das kleinteilige Gefüge der Heidelberger Altstadt einpassen, und fünf historische Bauten, darunter der Saal in der erhaltenen Fassung von 1923, sollten in das neue Ensemble integriert werden. 2008 fand dafür ein nichtoffener Realisierungswettbewerb statt, bei dem die Entscheidung zugunsten des Entwurfs von Waechter + Waechter Architekten aus Darmstadt fiel.

Ansicht Theater Heidelberg mit neuem zweigeschossigen Foyer  (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Ansicht Theater Heidelberg mit neuem zweigeschossigen Foyer
(Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Marguerre-Saal und Alter Saal nutzen eine gemeinsame Bühne  (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Marguerre-Saal und Alter Saal nutzen eine gemeinsame Bühne
(Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Alter Saal von 1923 (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Alter Saal von 1923 (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Zugang zum Alten Saal, zum Marguerre-Saal, zum Orchestersaal sowie zu den Foyers (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Zugang zum Alten Saal, zum Marguerre-Saal, zum Orchestersaal sowie zu den Foyers (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Marguerre-Saal (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)
Marguerre-Saal (Foto: Waechter+Waechter Architekten BDA)

Die technische Ertüchtigung des denkmalgeschützten alten Zuschauersaals mit rund 350 Plätzen für einen modernen Spielbetrieb hätte erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz ergeben. Daher ist ein neuer Saal mit über 500 Plätzen um 90 Grad gedreht zu dem bestehenden entstanden. Beide Säle nutzen gemeinsam das neue Bühnenhaus. Bespielt wird je nach Inszenierung einer der Säle, eine zeitgleiche Nutzung ist wegen der dann gegebenen Überschreitung der aus Brandschutzgründen zulässigen Maximalzahl von Personen in dem Theater nie geplant gewesen.

In den Lücken und Räumen zwischen den sanierten historischen Bauten sind ein neuer Eingangsbereich, ein zentrales, zu beiden Sälen führendes zweigeschossiges Foyer sowie neue Werkstätten und Proberäume eingepasst. Die Fassaden der neuen Gebäude sind durch helle, vertikale Sichtbeton-Fertigteile im Wechsel mit bodentiefen Glaselementen gegliedert. Durch die transparente Gebäudehülle werden die Proben und die Arbeit in den Werkstätten – das Geschehen im Theater vor den Aufführungen – für die Passanten sichtbar. Optisch verbunden werden die Neubaubereiche durch die Kante einer durchgängigen »Dachplatte« in acht Metern Höhe, die von den Volumen des Bühnenturms und des neuen Zuschauer- und Probensaals durchdrungen wird.

Rund 25 Prozent der Kosten für die Sanierung und Erweiterung konnten durch bürgerschaftliches Engagement – vor allem eines Großspenders – aufgebracht werden.

Quelle: Deutsches Architekturmuseum / Yorck Förster