Häuserportraits

Staatsoper Unter den Linden

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war die fridericianische Oper in den 1950er Jahren wieder aufgebaut worden. Von 2012 bis 2017 wurde das Gebäude saniert und u. a. durch eine neue Nachhallgalerie akustisch optimiert.

Zu diesem Haus

Standort

Berlin

Architekten

  • Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff
  • Carl Gotthard Langhans Carl Ferdinand Langhans
  • Eduard Fürstenau
  • Richard Paulick
  • hg merz architekten

Bauherr

Land Berlin

Eröffnung

1743 / 1786 / 1844 / 1928 / 1955 / 2017

BGF

49.730 m²

Bühnen

1

Plätze

1.350

Am 3. Oktober 2017 wurde die Staatsoper Unter den Linden nach sieben Jahren Sanierung wieder eröffnet. Die neo-palladianische Fassade von Knobelsdorff erstrahlt wieder in dem Rosa, das Baubefunde für die Entstehungszeit des Gebäudes ergaben. Für die visuelle und akustische Wirkung im Inneren war jedoch die Frage entscheidend, ob der Saal in der Fassung des Wiederaufbaus aus den Jahren der DDR erhalten, oder ob ein völlig neuer Zuschauerraum implantiert werden sollte. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten einer Überarbeitung und Optimierung der Fassung von Richard Paulick. Die historische Saaldecke wurde angehoben, um mit einer neugestalteten Nachhallgalerie die für die Oper so wichtige Nachhallzeit zu verlängern. Die gesamte Bühnentechnik wurde erneuert, die Hinterbühne vergrößert. Die für den Repertoirebetrieb notwendigen Lager- und Vorbauflächen wurden durch ein unterirdisches Montage- und Lagerbauwerk geschaffen. Das ehemalige Kulissenlager wurde zum Probenzentrum für Chor und Orchester umgebaut, die Intendanz am Bebelplatz denkmalgerecht saniert. Die Werkstätten sind ausgegliedert zum Bühnenservice Berlin/Stiftung Oper Berlin am Ostbahnhof.

Fassade der Staatsoper nach dem Entwurf von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff  aus dem Jahr 1743 (Foto: Staatsoper Unter den Linden/ Marcus Ebener)
Fassade der Staatsoper nach dem Entwurf von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff  aus dem Jahr 1743 (Foto: Staatsoper Unter den Linden/
Marcus Ebener)
Apollosaal (Foto: Marcus Ebener/Staatsoper Unter den Linden)
Apollosaal (Foto: Marcus Ebener/Staatsoper Unter den Linden)
Umgang (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Umgang (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Sicht auf die um fünf Meter angehobene Saaldecke (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Sicht auf die um fünf Meter angehobene Saaldecke (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Der durch die Anhebung der Saaldecke gewonnene Raum dient als Nachhallgalerie und zur Unterbringung von Technik (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Der durch die Anhebung der Saaldecke gewonnene Raum dient als Nachhallgalerie und zur Unterbringung von Technik (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Sicht von der Nachhallgalerie auf die Bühne (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Sicht von der Nachhallgalerie auf die Bühne (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Der Zuschauersaal bietet 1350 Plätz (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Der Zuschauersaal bietet 1350 Plätz (Foto: Staatsoper Unter den Linden/Marcus Ebener)
Kronleuchter im Saal auf Höhe der Nachhallgalerie (Foto: Gordon Welters/Staatsoper Unter den Linden)
Kronleuchter im Saal auf Höhe der Nachhallgalerie (Foto: Gordon Welters/Staatsoper Unter den Linden)
Deckenansicht (Foto: Gordon Welters/Staatsoper Unter den Linden)
Deckenansicht (Foto: Gordon Welters/Staatsoper Unter den Linden)

Das vor gut 275 Jahren entstandene Gebäude der Staatsoper Unter den Linden ist Teil des vom preußischen König Friedrich II. initiierten städtebaulichen Konzepts eines neuen Residenzplatzes – des Forum Friedericianum – in Berlin. Das von Richard Paulick in den 1950er Jahren nach den Kriegszerstörungen wieder aufgebaute Operngebäude bedurfte nach über 50 Jahren Nutzung einer grundlegenden baulichen und technischen Sanierung. Wesentliche Teile der wasserhydraulischen Untermaschinerie stammten aus den Jahren 1926/28. Der Zuschauersaal aus dem Wiederaufbau hatte ein zu trockenes Klangbild mit einer zu kurzen Nachhallzeit, zudem hatten zahlreiche Plätze einen schlechten Bühnenblick. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen lobte 2008 einen beschränkten Wettbewerb für die Neugestaltung des Zuschauersaals aus. Den 1. Preis erhielten Klaus Roth Architekten für einen völlig neu gestalteten Saal. Eine kontroverse Debatte um den Erhalt des neobarocken Saales aus der Zeit der DDR entwickelte sich. Unter der Prämisse des Erhalts des historischen Saals fand 2009 ein Verhandlungsverfahren statt, bei dem das Konzept von hg merz architekten überzeugen konnte.

Zur Verbesserung der Akustik wurde die historische Decke des Saals um fünf Meter angehoben. Über dem dritten Rang konnte dadurch eine Nachhallgalerie eingefügt werden. Die visuelle Verbindung zwischen dem Saal und der erhöhten Decke bildet eine filigrane Gitterkonstruktion aus glasfaserverstärkter Keramik in einer Rautenstruktur. Moderne Lüftungsanlagen wurden im historischen Dachraum über dem Apollosaal angeordnet.

Die gesamte Bühnenmaschinerie wurde entfernt. Die Unterbühne musste aufwändig gegen den Auftrieb durch das Grundwasser gesichert werden. Als Abdichtung wurde in den tiefliegenden Bereichen des Operngebäudes eine innenliegende Stahlblechwanne eingebaut, das Zuschauerhaus erhielt eine Sohle aus Unterwasserbeton. Direkt an das Bühnenhaus angebunden ist ein 115 Meter langes unterirdisches Bauwerk, in dem Lager- und Montageflächen für Kulissen und die Haustechnik untergebracht sind.

Der unterirdische Bau führt zum ehemaligen Magazingebäude, das von Paulick in den frühen 1950er Jahren im Stil Knobelsdorffs als Kulissenlager entworfen wurde. Hinter der denkmalgeschützten Fassade ist auf einem Drittel der Fläche ein akustisch optimales Probenzentrum für Orchester und Chor entstanden. Im nördlichen Teil schließt das Intendanzgebäude mit den Verwaltungsbereichen an. Das südliche Drittel des Gebäudes wird von der Barenboim-Said Akademie mit eigenem Konzertsaal genutzt.

Quelle: Deutsches Architekturmuseum / Yorck Förster