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21. Januar 2013

Preis der Europäischen Kirchenmusik 2013 geht an den britischen Komponisten Sir John Tavener

Der britische Komponist Sir John Tavener erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2013. Mit der Auszeichnung ehrt das von der Stadt Schwäbisch Gmünd getragene Festival Tavener für seine überkonfessionelle, von tiefer Spiritualität geprägte Musik und seine Verdienste um die geistliche Musik in der Gegenwart. Der Preis wird während des Festivals Europäische Kirchenmusik (12. Juli bis 4. August) am Donnerstag, 25. Juli, um 20 Uhr in der Augustinuskirche Schwäbisch Gmünd durch Ober-bürgermeister Richard Arnold verliehen. Vor der Preisverleihung gibt der Trinity College Choir Cambridge unter der Leitung von Stephen Layton ein Konzert zu Ehren des Preis-trägers. Auf dem Programm stehen neben Kompositionen von Tavener Werke von Tallis, Bach, Poulenc, Britten und Pärt.

Der Preis der Europäischen Kirchenmusik ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 1999 zum 15. Mal verliehen. Mit ihm werden hochrangige Interpreten und Komponisten für wegweisende Leistungen im Bereich der Geistlichen Musik ausgezeichnet. Unter den bisherigen Preisträgern waren die Komponisten Petr Eben, Sofia Gubaidulina, Klaus Huber, Arvo Pärt, Krzysztof Penderecki, Dieter Schnebel und Hans Zender. Zu den Geehrten ge-hören ferner die Dirigenten Frieder Bernius, Marcus Creed, Eric Ericson und Helmuth Rilling sowie der französische Organist Daniel Roth, Kammersänger Peter Schreier und der Musikwissenschaftler, Komponist und Dirigent Clytus Gottwald.

John Taveners Werke beziehen sich vielfach als Liturgien auf den Geist und die Kunst des Mittelalters sowie auf die Mystik der russisch-orthodoxen Chormusik. Daneben beschäftigt sich Tavener mit spirituellen Texten und Konzepten der Weltreligionen. Seine Musik versteht er als klingende Ikonen: „In allem, was ich tue, strebe ich nach Religion … Musik ist eine Art von Gebet, ein Mysterium“, lautet sein künstlerisches Credo. In vielen seiner frühen Vokalwerke verwendet er Collagetechniken und blockhaft statische Formen. Seine musikalische Sprache wandelt sich allmählich in eine asketische Strenge mit einer fasslichen Gliederung und klaren Form – langgezogene Melismen („mein Herz schlägt im Tempo 40“) über Bordunbässen, abgestimmt auf den Atem und eingehüllt in die modale Harmonik der orthodoxen Liturgie. Die Musik stellt sich in den Dienst spirituellen Strebens und besitzt die Überzeugungskraft persönlichen Bekennens.

John Tavener wird am 28. Januar 1944 in London geboren, wo er Klavier, Orgel und Komposition an der Highgate School, später an der Royal Academy of Music (1961-1965) studiert. Rasch wendet sich der von Strawinsky und Messiaen beeinflusste Komponist der geistlichen Musik zu. Noch während des Studiums komponiert er die dramatische Kantate „Cain and Abel“, für die er 1965 mit dem „Prix de composition musicale de la Fondation Prince Pierre de Monaco“ ausgezeichnet wird. Die 1968 beim Gründungskonzert der London Sinfonietta uraufgeführte Kantate „The Whale“ macht Tavener schlagartig international bekannt; die Presse spricht von der musikalischen Entdeckung des Jahres und zählt ihn zu den besten schöpferischen Talenten seiner Generation. In den Jahren 1972 bis 1976 entsteht die Oper „Thérèse“. 1977 konvertiert Tavener zum russisch-orthodoxen Glauben. Seit dieser Zeit sind seine Kompositionen geprägt von tiefer Spiritualität, die über religiöse Konfessionen hinaus verstanden wird. In der Tradition des byzantinisch-orthodoxen Kirchengesangs steht die Komposition „The Lamb“ (1982), ein Chorwerk zu einem Gedicht von William Blake. Große Erfolge verzeichnet die Uraufführung seines Cellokonzerts „The Protecting Veil“ (1987) mit dem Cellisten Steven Isserlis bei den Londoner Proms und die der Oper „Mary of Egypt“ beim Aldeburgh Festival 1992. Im Auftrag des Bournemouth Symphony Orchestra entsteht 1992/93 das Werk „Theophany“, das Tavener selbst beschreibt als „den Versuch, Gottes Gegenwart in allen Dingen … eine neue Definition zu verleihen“. Weltberühmt wurde Tavener durch seinen „Song for Athene“ aus dem Chorwerk „Innocence“ (1994), welcher bei der Trauerfeier für Prinzessin Diana zu hören war und ein Millionenpublikum bewegte. 1999 komponiert er für die Sängerin Björk „Prayer of the Heart“. Für die Verdienste um die Musik wird Tavener von Queen Elizabeth II. im Jahr 2000 zum Ritter geschlagen. Als bekenntnishafter Höhepunkt in Taveners Schaffen und gleichsam epochales Werk darf die 2007 beim Zürcher Festival „religio musica nova“ uraufgeführte interreligiöse Messe „Sollemnitas in conceptione immaculata beatae Mariae virginis“ gelten: Sie verbindet den christlichen Messetext mit Versen aus dem Koran sowie buddhistischen, hinduistischen und indianischen Texten. Taveners Schaffen umfasst bis heute mehr als 260 Werke.

Quelle: http://www.kirchenmusik-festival.de