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14. Dezember 2011

Luther-Themenjahr 2012 steht unter dem Motto "Reformation und Musik"

Mit Musik erreicht man die Herzen der Menschen. Das wusste schon Martin Luther. Er schrieb und komponierte zahlreiche Stücke - vor allem Kirchenlieder. Damit legte der Reformator den Grundstein für die europäische Musikkultur. Das Themenjahr der Lutherdekade 2012 ist ganz seiner zweiten Leidenschaft nach der Theologie gewidmet: der Musik. Musikfestivals und Konzertreihen in Sachsen-Anhalt haben ihr Programm für 2012 an das Thema Reformation angepasst.

Fast 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche anschlug. 1517 war das. 2017 wird dieses Jubiläum weltweit gefeiert. Seit 2008 bietet die Lutherdekade "Luther 2017 - 500 Jahre Reformation" Gelegenheit für Begegnungen mit dem Leben und Wirken Luthers, jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt. Für 2012 lautet das Motto "Reformation und Musik".

Luther liebte die Musik. Er sprach ihr eine positive moralische und seelische Wirkung auf die Menschen zu - was sonst nur der Glaube kann. Er wollte Lieder mit deutschen Texten in seinen Messen, um die Gläubigen mehr einzubeziehen, sie aktiv am Gottesdienst zu beteiligen. Mit den bis dato üblichen lateinischen Texten war das nicht möglich. Luther war die Musik aber auch im Alltag wichtig. Für seine Kinder schrieb er beispielsweise das Weihnachtslied "Vom Himmel hoch, da komm ich her". Ob also Hausmusik oder Gemeindegesang, die Musik begleitete Luther sein Leben lang tagtäglich. Ähnlich soll es 2012 sein. Die Musik wird die Menschen in Sachsen-Anhalt durch das Themenjahr der Lutherdekade begleiten. Viele Konzertreihen, Festspiele und Festivals haben ihr Programm auf das Thema Reformation ausgerichtet.

Den Anfang machen die 21. Magdeburger Telemann-Festtage vom 9. bis 18. März 2012. Unter dem Motto "betont. 50 Jahre Telemann aus Magdeburg" rücken die Festtage Werke des Komponisten in den Fokus, die dessen kreativen Umgang mit lutherischem Gedanken- und Liedgut besonders dokumentieren. Zu hören sind unter anderem die Lukaspassion von 1728, Kirchenkantaten ("Telemann und Luther") und das Oratorium "Der Tag des Gerichts". Der 1681 in Magdeburg geborene Telemann komponierte geistliche Musik in unvorstellbarer Vielfalt und hat die protestantische Kirchenmusik Mittel- und Norddeutschlands im 18. Jahrhundert im besonderen Maße beeinflusst (www.telemann.org).

Am 12. Mai 2012 wird das Heinrich-Schütz-Haus in Weißenfels feierlich wiedereröffnet. Schütz schuf eine musikalische Sprache, die dem Zuhörer das Bibelwort in lutherischem Sinne verständlich machte. Er gilt damit als der bedeutendste protestantische Komponist des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Die Wiedereröffnung des Hauses geht einher mit der Eröffnung einer Dauerausstellung über Heinrich Schütz und sein Werk. In lockerer Folge finden in den darauffolgenden Monaten verschiedene Konzerte im Heinrich-Schütz-Haus und an anderen Orten, die mit Schütz in Verbindung stehen, statt. Das Projekt "Ohrenschmaus im Schütz-Haus" bietet anhand von Vorträgen mit Musikausschnitten Einblicke in die Reformation und die lutherische Kirchenmusik (www.schuetzhaus-weissenfels.de).

In Halle (Saale) finden vom 31. Mai bis 10. Juni 2012 die Händel-Festspiele statt. "Händel und die Konfessionen" lautet das Motto, unter dem Werke des 1685 in Halle an der Saale geborenen Komponisten erklingen. Die Stücke sind den unterschiedlichen konfessionellen Strömungen zuzuordnen, mit denen sich Georg Friedrich Händel in seinem Leben auseinanderzusetzen hatte. So widmete er ein Werk seinem Lehrer, dem protestantischen Kirchenmusiker Friedrich Wilhelm Zachow, und schrieb eine deutschsprachige Passionsmusik: die Brockes-Passion. Händel war aber auch für die römisch-katholische Kirche in Rom und die anglikanische Kirche in England tätig, wo er 1759 in London starb. Im Rahmen des Themenjahres der Lutherdekade hat Händel eine herausragende Position. Denn der Lutheraner blieb seinem Glauben sein ganzes Leben lang treu, öffnete sich aber tolerant den anderen christlichen Konfessionen (www.haendelhaus.de).

Im Juli wird die Lutherstadt Wittenberg zum "Himmel auf Erden". Das mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes veranstaltete internationale Musikfestival geht der Frage nach, welche Kraft Gesang und Musik bei der Suche nach Spiritualität haben. Antworten versuchen Musiker aus aller Welt mit ihren Liedern aus unterschiedlichen Kulturen zu geben. "Himmel auf Erden" findet vom 6. bis 15. Juli 2012 statt. Zu Gast sind unter anderem ethnische Vokalensembles aus Lateinamerika und Russland. Das Eröffnungskonzert mit "The King’s Singers" und das Konzert am 13. Juli mit Iveta Apkalna, Orgel, und dem Vocalconsort Leipzig findet in Kooperation mit dem MDR Musiksommer statt. Es werden die Lautten Compagney Berlin, das Kammerorchester Basel sowie "Nico and the Navigators" und die Anhaltische Philharmonie erwartet. Gemeinsam wollen sie zu einem musikalischen Dialog zum Festivalthema "Mitten im Leben..." einladen (www.musikfestival-wittenberg.de).

Zeitgleich mit der Reformation entstand in Wittenberg eine neue Musiktradition. Terzen und Sexten hielten im 15. und 16. Jahrhundert Einzug in die Kompositionen. Der Dreiklang entwickelte sich und ließ die Musik in anderen Farben erklingen als noch im Mittelalter. In der Vokalmusik dominierte die Polyphonie mit den Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass. Und in den Kirchen tauchten erstmals Orgeln auf. Den in dieser Tradition stehenden Lutherchorälen von Johann Walter bis Johann Sebastian Bach widmet sich das 7. Renaissance Musikfestival in Wittenberg vom 21. bis 31. Oktober 2012. Das Festival, das 2006 aus einer Privatinitiative von Thomas Höhne und Gesine Friedrich heraus entstand, ist heute weit über die Stadtgrenzen Wittenbergs hinaus bekannt. Neben den Konzerten finden Workshops, Meisterkurse, Vorträge, ein Renaissance-Tanzball und eine Ausstellung von historischen Musikinstrumenten der Zeit statt (www.wittenberger-renaissancemusik.de).

Ebenfalls in Wittenberg findet am 27. Oktober 2012 in der Schlosskirche die Bläserfeierstunde des Evangelischen Posaunendienstes statt. Posaunenchöre gelten als die geistigen Kinder der Reformation. Das Konzert steht unter dem Motto "Ein klangfeste Burg", ein Kirchenlied aus Luthers Feder. Gleichzeitig wird es verschiedene kleine Konzerte von Posaunenchören auf den Straßen und Plätzen von Wittenberg und anderen Städten geben (www.epid.de).

Der 21. MDR Musiksommer begibt sich vom 23. Juni bis 9. September 2012 auf die Spuren Martin Luthers - nicht nur thematisch. Denn wer gut zu Fuß ist, kann gleich zu Beginn der Veranstaltungsreihe mit dem MDR Musiksommer innerhalb von acht Tagen 200 Kilometer von Lutherstadt Wittenberg bis Halle (Saale) über den Lutherweg pilgern. Auf dem Programm stehen dann neben Wanderungen und Konzerten auch Lesungen und Vorträge. Den Auftakt macht am 13. Juli ein Chorkonzert mit Luthers Kirchenliedern in der Wittenberger Schlosskirche, aufgeführt von Vocalconsort Leipzig und der Organistin Iveta Apkalna, 2012 Artist in Residence beim MDR Musiksommer. Aber auch an anderen Lutherorten in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen finden im Rahmen des Musiksommers weitere Konzerte statt (www.mdr.de/musiksommer).

Der Lutherweg durch Sachsen-Anhalt lässt sich natürlich auch in Eigenregie begehen. Von Wittenberg über das Gartenreich Dessau-Wörlitz, Dessau-Roßlau, Zerbst, Köthen, Bernburg und Lutherstadt Eisleben führt er bis nach Mansfeld Lutherstadt oder in der nördlicheren Route über Kemberg und Halle. Insgesamt 410 Kilometer ist der mit einem grünen "L" gekennzeichnete Pilgerweg lang. Bei einer Wanderung über den Lutherweg lassen sich 2012 nicht nur die Kirchen am Wegesrand besichtigen, sondern auch die vielen Veranstaltungen des Jubiläums ANHALT | 800 und des Themenjahres "Reformation und Musik" der Lutherdekade genießen.

Quelle: http://www.luther2017.de