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Foto: Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd

20. Januar 2010

Marcus Creed erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2010

Marcus Creed gehört zu den weltweit profiliertesten Chordirigenten und wurde für seine ausdrucksstarken Aufführungen vielfach ausgezeichnet. Für seine herausragenden, stilverpflichteten Interpretationen geistlicher Musik verleiht ihm die Stadt Schwäbisch Gmünd den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2010. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird während des Festivals Europäische Kirchenmusik (16. Juli bis 8. August) am Mittwoch, 21. Juli, um 20 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster durch Oberbürgermeister Richard Arnold verliehen. Die Laudatio hält Professor Dr. Clytus Gottwald. Vor der Preisverleihung dirigiert Marcus Creed ein Konzert des SWR Vokalensembles Stuttgart, dessen Chefdirigent er seit 2003 ist. Auf dem Programm stehen Werke von Bach, Mahler, Barber und Sandström.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd verleiht den Preis der Europäischen Kirchenmusik seit 1999 zum zwölften Mal. Die Auszeichnung ehrt hochrangige Interpreten und Komponis-ten für wegweisende Leistungen im Bereich der geistlichen Musik. Den Preis erhielten bisher die Komponisten Dieter Schnebel, Petr Eben, Krzysztof Penderecki, Arvo Pärt, Klaus Huber und Sofia Gubaidulina. Weitere Preisträger waren der Kammersänger Peter Schreier, der Stockholmer Chordirigent Eric Ericson, der französische Organist Daniel Roth sowie die Stuttgarter Dirigenten Frieder Bernius und Helmuth Rilling.

„Als Musiker ist für mich ‚vokal’ oder ‚instrumental’ kein Gegensatz: Für mich ist die menschliche Stimme auch ein Instrument. In meiner Arbeit verlange ich von Chören häufig, ‚instrumental’ zu singen, und von Orchestern umgekehrt, dass sie ‚atmen’ und gewissermaßen ‚vokale’ Phrasen gestalten können“, lautet das Credo von Marcus Creed, für den die Vokalmusik etwas Besonderes darstellt. Sprache und Text sieht er als eigene Gestaltungselemente, die zusammen mit der Musik unendliche Ausdrucksspektren bieten. Marcus Creed geht es darum, den charakteristischen Klang eines jeden Komponisten und Stils herauszuarbeiten. Daran arbeitet er hart – und man ist geneigt zu sagen: mit Demut, wenn man Creed einmal bei der Probenarbeit und im Gespräch erlebt hat. Das Spektakuläre liegt ihm fern. Seine Suche gilt der Klangschönheit, nicht dem Klangdesign.

Seit 2003 ist Marcus Creed künstlerischer Leiter des SWR Vokalensembles Stuttgart. Creeds besonderes Anliegen mit diesem Ensemble gilt der Wiederaufführung herausragender Kompositionen der jüngsten Vergangenheit, darunter Werke von György Ligeti, Luigi Nono, György Kurtág, Wolfgang Rihm oder Heinz Holliger. Mit Creeds außergewöhnlichen Programmen hat sich das SWR Vokalensemble Stuttgart an der internationalen Spitze etabliert. Seine beharrliche Arbeit am Klang lobt die Kritik als „überirdisch schwebend“ und „sensationell“. Die Studioproduktionen des SWR Vokalensembles Stuttgart erscheinen zu einem großen Teil auf CD und werden regelmäßig mit internati-onalen Preisen ausgezeichnet: Dazu zählen unter anderem der „Grand Prix du Disque“, der „Midem Classical Award“ und der „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“, den das Ensemble in den vergangenen Jahren vier Mal in Folge erhielt. Zuletzt wurde das SWR Vokalensemble Stuttgart im Jahr 2009 für die CD mit geistlichen Chorwerken von Anton Bruckner als „Ensemble des Jahres“ mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet.

Marcus Creed ist 1951 in Eastbourne an der Südküste Englands geboren und aufge-wachsen. Er begann sein Studium am King’s College in Cambridge, wo er im berühmten King’s College Choir sang. Weitere Studien führten ihn an die Christ Church in Oxford und die Guildhall School in London. 1977 siedelte Creed nach Berlin über. Stationen seiner Arbeit waren die Deutsche Oper Berlin (als Repetitor und ab 1984 als Chordirek-tor), die Hochschule der Künste (als Dozent im Bereich Lied) sowie die Gruppe Neue Musik und das Scharoun Ensemble (als Pianist und Dirigent). Von 1987 bis 2001 war Creed künstlerischer Leiter des RIAS-Kammerchores, den er binnen weniger Jahre in die Weltspitze führte. Insbesondere seine A-cappella-Interpretationen der Romantik und der Moderne setzten Maßstäbe. Zu den Höhepunkten seiner Zusammenarbeit mit dem RIAS-Kammerchor gehörte der Aufführungszyklus der Oratorien Georg Friedrich Hän-dels, mit dem er und das Ensemble Weltruf erlangten. 1998 folgte Marcus Creed einem Ruf auf eine Professur für Chordirigieren an der Musikhochschule Köln.

Neben der Leitung internationaler Profichöre ist für Creed die Zusammenarbeit mit der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Freiburger Barockorchester und Concerto Köln wesentlicher Bestandteil seiner weiteren Konzerttätigkeit. Creed ist regelmäßiger Gast bei renommierten internationalen Festivals der Alten und Neuen Musik.

Quelle: http://www.kirchenmusik-festival.de