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31. März 2017

Internationale Orgelwoche Nürnberg rückt Reformationsjubiläum in den Fokus

500 Jahre Reformation werfen ihr Licht auf 2017. Am 31. Oktober 1517 stieß Martin Luther mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen allumfassende Veränderungen an, die bis heute nachhallen. Er erkannte auch die Bedeutung des Buchdrucks; die Chance, mittels gedrucktem Wort und Bild viele Bevölkerungsteile mit Informationen statt Gerüchten zu versorgen. Unter dem Thema „re:format:ion“ erkundet die ION vom 30. Juni bis 9. Juli 2017 unterschiedliche Lesarten, Bedeutungen und musikalische Klänge der Reformation. Passend dazu präsentiert sich das Festival experimenteller denn je. Künstlerische Partner der ION 2017 sind u.a. das renommierte Staatstheater Nürnberg und die Hochschule für Musik. Mit dem Bayerischen Rundfunk ist wieder ein langjähriger Medienpartner dabei.

Eine Ende März uraufgeführte Auftragskomposition des Chors des Bayerischen Rundfunks eröffnet als Nürnberger Erstaufführung die ION am 30. Juni in St. Sebald: Wolfgang Rihms „Missa brevis“ befragt altehrwürdige Traditionen geistlicher Musik neu. Sie trifft auf Josquin de Préz‘ „Missa Pange Lingua“, auf Komponisten der Frühen Neuzeit, u.a. Heinrich Schütz, Michael Praetorius und Balthasar Resinarius, sowie auf Martin Luthers Choräle aus dem Achtliederbuch. Mit dabei sind der von Chefdirigent Howard Arman geleitete BR-Chor, die Capella de la Torre unter Katharina Bäuml und Mitglieder des Vocalconsort Berlin.

Tags darauf, am 1. Juli, prägt die ION mit gleich drei Veranstaltungen das Bayerische Reformationsfest in Nürnberg mit: Das Hathor-Consort, das Ensemble tasto solo, Mitglieder des Vocalconsort Berlin und die Capella de la Torre bringen in einem von Folkert Uhde moderierten Konzert in St. Egidien die Klangfarbenpracht der „Nürnberger Reformationszeit“ zum Leuchten. „Matthäus.Passion“ erzählt Bachs Passionswerk neu, aus einer speziell jüdischen Perspektive. Das musikalisch-szenische Projekt (weitere Aufführung am 5. Juli) ist eine Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg, dem Bachchor St. Lorenz und der Hochschule für Musik Nürnberg (St. Lorenz). Ab 22.00 Uhr streifen die renommierte englische Sopranistin Deborah Yorck, Lambert Colson (Zink) und Jeremy Joseph (Orgel) durch „Nacht-Improvisationen“, ein speziell für die ION konzipiertes Programm (St. Sebald).

„Orgel.Wett.Streit“ ist ein neues Format für Orgelimprovisation, das in seinem Herkunftsland Ungarn bereits große Konzertsäle füllt. Am 2. Juli wetteifern auch bei der ION (St. Sebald) zwei Organisten unter den wachsamen Augen eines Spezialisten und des Publikums, das per Videoübertragung das Geschehen am Spieltisch verfolgt und am Ende über Sieg oder Niederlage entscheidet. Experimentierfreude regiert das ION LAB am 3. Juli. Zum zweiten Mal bietet das Festival damit herausragenden Studierenden der Hochschule für Musik Nürnberg eine Bühne. Auf Initiative von Prof. Jeremias Schwarzer und des Künstlerischen Leiters der ION, Folkert Uhde, soll sich das ION LAB als Plattform für außergewöhnliche Konzepte und Konzerterfahrungen etablieren. 2017 setzt sich der Abend in unterschiedlichen Formationen mit „Der Tag: Rhythms & Patterns“, „Hypnogramme“ und „Morpheus Metamorphose“ mit Tag- und Nachtphasen und dem Träumen auseinander. Der letzte Teil der Trilogie wurde beim internationalen Konzertdramaturgie-Wettbewerb „Hugo“ der Montforter Zwischentöne in Feldkirch (Österreich) ausgezeichnet und darf das Programm nach Nürnberg auch in Feldkirch zeigen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist „Magnificat! – Ein Fest für Pachelbel“ am 4. Juli. Mit Magnificatvertonungen und Kantaten ehrt das Ensemble Himlische Cantorey um Tenor Jan Kobow den früheren Sebalduskantor am Ort seines Wirkens. Dabei erklingen viele Werke des wichtigsten protestantischen Musikers Nürnbergs erstmals seit 300 Jahren wieder am Ort ihrer Uraufführung. Das gewohnte Hörverständnis sprengt am 6. Juli das Ensemble Stegreif mit „#freeschubert“. Das junge, sich jeglicher Konvention enthaltende Orchester untersucht, inwieweit Schuberts Sinfonien spirituelle Musik sind. Dabei bezieht es ungewöhnliche Instrumentierungen, Improvisationen und Gesangseinlagen mit ein. Der von dem Berliner Hornisten, Komponisten und Rapper Juri de Marco geleitete Klangkörper gab 2015 sein gefeiertes Debüt im Berliner Radialsystem V.

Die IONacht verwandelt am 7. Juli Nürnbergs Innenstadtkirchen und das Rathaus wieder in ein verwunschenes Musiklabyrinth. Dabei geht es von Bach bis Arvo Pärt; es erklingt Kammermusik von Georg Philipp Telemann zu dessen 250. Todestag, und auf den Lorenzer Orgeln improvisiert David Franke zum Stummfilm „Martin Luther“ (Nürnberg 1927). Als krönenden Abschluss bittet die ION alle Nachtschwärmer zur großen Abschluss-Party in die ION-Lounge in der Ehrenhalle des Rathauses. Ein detailliertes Programm gibt es ab Ende Mai auf www.ion-musica-sacra.de sowie bei der Geschäftsstelle der ION.

Neuland betritt die ION mit „I Eat the Sun and Drink the Rain“ am 8. Juli in St. Lorenz. Der als Produzent für die Pet Shop Boys, Rammstein, Snoop Doggy Dogg oder Polarkreis 18 bekannt gewordene Musiker und Komponist Sven Helbig hat damit sein erstes abendfüllendes Chorprojekt vorgelegt. Ausführende sind die Mitglieder des Vocalconsort Berlin. Am 9. Juli beschließt mit Heinrich Schützʼ „Geistliche Chormusik, 1648“ eines der einflussreichsten und bis heute am häufigsten gesungenen Motettenwerke der protestantischen Kirchenmusik die ION 2017. Aufgeführt wird es in St. Sebald von dem Schweizer Ensemble Gli Angeli Geneve und Solisten aus dessen Reihen.

Auch das Rahmenprogramm der diesjährigen ION ist facettenreich: Mit Christoph Bossert (Deutschland), Christophe Mantoux (Frankreich), Rie Hiroe (Japan), Vita Kalnciema (Lettland) und Gregory Hand (USA) sind international bekannte Organisten bei den diesjährigen Mittagskonzerten (Frauenkirche, 3.-7. Juli) zu erleben. Die Meinung des Publikums ist ausdrücklich erbeten beim Symposium „Was ist eigentlich Musica Sacra?“ (4. Juli). Im ebenfalls neuen Format „Gäste & Buch“ (5. bis 7. Juli) lesen Künstler und Gäste der ION 2017 aus ihrem Lieblingsbuch vor. Es gibt wieder Klangproben (3. bis 6. Juli), Mittagskonzerte (3. bis 7. Juli), „Orgel zum Anfassen“ (8. Juli) und verschiedene Gottesdienste.

Die ION hat sich zu einem weit ausstrahlenden kulturellen Leuchtturm der Metropolregion Nürnberg entwickelt. Projektpartner der 66. ION sind der Bachchor St. Lorenz, die Hochschule für Musik Nürnberg, die Initiative Vision Kirchenmusik, die Innenstadtgemeinden der evangelischen und katholischen Kirchen, das Staatstheater Nürnberg und RADIALSYSTEM V, Berlin, sowie Folkert Uhde Konzertdesign. Hauptsponsor ist wie auch in den vergangenen Jahren die Sparkasse Nürnberg, zu den öffentlichen Zuschussgebern gehören das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, die Stadt Nürnberg und der Bezirk Mittelfranken. Das ION-Patronat, mit besonderem Dank an die Liane und Frank W. Wilmers Stiftung, und der Freundeskreis der Internationalen Orgelwoche Nürnberg e.V. tragen maßgeblich zur Finanzierung des Festivals bei. Als kirchliche Zuschussgeber beteiligen sich die Evangelische Landeskirche in Bayern, die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Nürnberg, die Katholische Gesamtkirchengemeinde in Nürnberg, das Erzbistum Bamberg und das Bistum Eichstätt. Medienpartnerschaften bestehen zum Bayerischen Rundfunk – Studio Franken, zum Musikzauber Franken, der Stadtreklame Nürnberg, dem Curt Magazin Franken sowie mit dem Verlag Nürnberger Presse.

Quelle: http://www.ion-musica-sacra.de/