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01. April 2016

65. Internationale Orgelwoche Nürnberg unter dem Motto „Zukunft“

Die ION – Internationale Orgelwoche Nürnberg – blickt vom 3. bis 12. Juni 2016 in die „Zukunft“, mit innovativen und unkonventionellen Konzertformaten, ohne dabei ihre geistigen Wurzeln zu verlieren. Dafür steht bereits die Festival-Eröffnung: Die gotische Lorenzkirche wird zur beeindruckenden Kulisse für eine außergewöhnliche Aufführung von Bachs h-Moll-Messe. Licht, Architektur und Musiker korrespondieren in jedem der fünf Teile auf unterschiedliche Weise miteinander und bieten eine eigene Deutungsebene an. Den musikalischen Part übernehmen das Concerto Köln, der Chor des Bayerischen Rundfunks und Solisten unter Peter Dijkstra.

Wie auch schon 2015 wird das Konzert für eine Fernseh- und DVD-Produktion von BR und Arte concert mitgeschnitten und live auf BR-Klassik sowie im Internet übertragen. Weitere Höhepunkte sind u.a. das musikalische Storytelling-Projekt „Liebesanfänge“, „Alif“, ein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes Konzertexperiment zwischen Musik und Bildender Kunst sowie das Abschlusskonzert mit Monteverdis „L’Orfeo“. Die Staatsphilharmonie Nürnberg macht unter Marcus Bosch ihre Aufwartung mit „Orgel und Bruckner“. Außerdem steht ein neuer Internationaler Orgel-Interpretationswettbewerb um den „Johann-Pachelbel-Preis“ an. Neben den Nürnberger Kirchen verwandelt die ION 2016 u.a. die Meistersingerhalle, das KunstKulturQuartier, die Stadtbibliothek Zentrum und die Tafelhalle zu Musikerlebnisstätten. BR-Klassik zeichnet erneut verschiedene Konzerte auf.

Hinter dem Kürzel ION steht die Internationale Orgelwoche Nürnberg, für die der Bezug zu den sakralen Räumen Nürnbergs eine wichtige Verankerung ist. Doch wie in jeder Kunstform ist das sich stetig Verändernde auch für das Wesen des Festivals ein treibender Motor. Die Namensgebung spielt mit dem altgriechischen Wort „ión“, das „das Gehende/das Wandernde“ bedeutet. Alles ist im Fluss – auch die Zukunft, „die Zeit, die nach der Gegenwart kommt. Wir hoffen auf sie, meistens vertrauen wir auf sie, manchmal fürchten wir uns vor ihr. Zukunftsängste begleiten den Menschen schon immer. Gebete sind erfunden worden, um den Himmel – Gott, Götter, Mächte – zu besänftigen und dem irdischen Dasein Schaden zu ersparen“, erläutert der Künstlerische Leiter Folkert Uhde das Thema der 65. ION.

Ein visionäres Meisterwerk im Zeichen des Festivalthemas eröffnet die ION. Bachs h-Moll-Messe drückt auf besonders berührende Weise den ewig-menschlichen Zukunftswunsch aus, der in jeder Messe formuliert wird: Dass Himmel und Erde, Gott und die Menschen, miteinander in Harmonie leben mögen. Mit Peter Dijkstra am Pult bringen Concerto Köln, der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Solisten Christina Landshamer (Sopran), Anke Vondung (Alt), Maximilian Schmitt (Tenor) und Andreas Wolf (Bass) jenes Werk zu Gehör, das zu Lebzeiten des Komponisten wahrscheinlich niemals aufgeführt wurde. Folkert Uhde (Konzertdesign) und Jörg Bittner (Licht) haben dazu ein neuartiges Konzept entwickelt, das sich mit den der Musik zu Grunde liegenden Haltungen beschäftigt und diese durch Licht- und Raumkonstellationen visualisiert. 

„Liebesanfänge“ entfalten sich am 5. Juni in der Kirche St. Nikolaus & St. Ulrich in Mögeldorf. Barocke Liebeslieder und Arien, die von der Sehnsucht ebenso wie vom Glück handeln, werden zum Soundtrack für eine Reihe berührender Videointerviews mit Menschen zwischen 14 und 84 Jahren, die erzählen, wie sie sich kennengelernt haben. In der Konfrontation mit Musik des 17. Jahrhunderts kommen sich barocke Lyrik, biblische Hoheliedtexte und heutige Alltagssprache erstaunlich nahe. Klänge und Erzählungen überlappen sich mit den Bildern von Menschen, die von plötzlichen Glückswundern erzählen, die ihre Zukunft verändert haben. Zu den musikalischen Protagonisten gehören u.a. die Sopranistin Dorothee Mields, das Ensemble The Age of Passions und der Lautenist Lee Santana, der in diesem Rahmen drei neue Lieder vorstellt. Zum ersten Mal war das musikalische Storytelling-Projekt bei den „Montforter Zwischentönen“ 2015 in Feldkirch zu sehen. Das österreichische Festival realisierte es in Kooperation mit dem Schweizer Künstler Mark Riklin von der Meldestelle für Glücksmomente. Ein „Vorzeigeprojekt“, lobte Rondo Magazin nach der Premiere in Feldkirch.

„Alif: split in the wall“ ist ein außergewöhnlich zukunftsweisendes Konzertexperiment. Über die Dauer von fast fünf Stunden ist das Publikum am 10. Juni in St. Lorenz eingeladen, sich in der musikalisch bespielten Installation der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota aufzuhalten. Ein auf verschiedene Arten begehbarer, mehrdimensional wirkender Aufführungsraum wird zu einem lebendigen, musikalischen Organismus, der pulsiert, sich anspannt, entspannt, zur Ruhe kommt, in Erregung gerät und scheinbar keinem vorstrukturierten Schema folgt. Der Besucher ist eingeladen, ein Teil davon zu werden und selbst zu bestimmen, wann und für wie lange. Einen zentralen Bestandteil bildet die Aufführung eines neuen Orgelstückes von Samir Odeh-Tamimi. „Alif“ ist ein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes Projekt. Die Berliner Dramaturgin Ilka Seifert arbeitet eng mit Folkert Uhde zusammen und hat mit ihm gemeinsam neben „Alif“ auch das Projekt „Nacht Lieder“ (4. Juni) und den Musiktheaterabend „Friends of Amarillis“ (9. Juni) entwickelt.

Auch in diesem Jahr setzt GMD Marcus Bosch mit der Staatsphilharmonie Nürnberg ‚seinen‘ ION-Brucknerzyklus fort. Am 6. Juni präsentieren sie in St. Sebald die Symphonie in d-Moll, die sogenannte „Nullte“. 1869 entstanden, war sie wahrscheinlich zunächst nur als Skizze oder Entwurf für zukünftige Werke gedacht. Quasi eine Vorlage für die Werke der Zukunft. Der Aufführung wird eine große Orgelimprovisation des Essener Domorganisten und ION-Preisträgers Sebastian Küchler-Blessing als Spiegel aus der Gegenwart vorangestellt.

Mit der vielleicht berühmtesten tragischen Liebesgeschichte aller Zeiten klingt die ION 2016 am 12. Juni in St. Sebald aus: Claudio Monteverdis „L’Orfeo“. Der Orpheus-Mythos ist gleichzeitig eine Parabel über den ewigen Menschheitswunsch, das Schicksal zu verändern, sich über etwas Höheres hinwegzusetzen. Orpheus wird nach allem irdischen Leid in die Unsterblichkeit des Universums berufen – auch ein Menschheitstraum, über alle Religionen hinweg. Die lautten compagney BERLIN hat für diesen Abend ein großes Ensemble von Vocalsolisten, Instrumentalisten und einem eigenen Chor zusammengestellt. Die Titelpartie übernimmt der Tenor Dávid Szigetvári, die musikalische Leitung hat Wolfgang Katschner.

Der im Zweijahresturnus stattfindende Internationale Orgel-Interpretationswettbewerb um den „Johann-Pachelbel-Preis“ fügt sich nahtlos in das Thema „Zukunft“ ein – als Talentschmiede und Karrieresprungbrett für hochtalentierte zukünftige Organisten. Zum ersten Mal in der Geschichte der ION ist der gesamte Wettbewerb öffentlich und die rege Anteilnahme des Publikums ausdrücklich erwünscht. Den Juryvorsitz hat in diesem Jahr der renommierte französische Organist Christophe Mantoux übernommen. Vom 2. bis zum 11. Juni finden drei Runden statt. 2016 kommen die zwölf Kandidaten aus sechs Ländern: Deutschland, Polen, Südkorea, Niederlande, Japan und Russland. Seit einem knappen halben Jahrhundert sind die ION und der Wettbewerb immer wieder der Beginn internationaler Karrieren.

Keinesfalls fehlen dürfen im Rahmenprogramm der ION liebgewonnene Klassiker wie das Renaissancefest im Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal (5. Juni), die Klangproben (6. bis 9. Juni) und der Stummfilm mit Orgelimprovisation. Diesmal wird Walter Ruttmanns „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ von 1927 gezeigt und von David Franke an der Orgel der Meistersingerhalle vertont (11. Juni).

Die ION hat sich zu einem weit ausstrahlenden kulturellen Leuchtturm der Metropolregion Nürnberg entwickelt. Erneut findet das Musikfestival mit der Förderung der Kulturstiftung des Bundes statt. Weitere Projektpartner der 65. ION sind die Schering Stiftung, Siemens Arts Program, die Goldberg Stiftung, das RADIALSYSTEM V, Berlin, Folkert Uhde Konzertdesign, DATEV eG, Nürnberg, und NürnbergMesse GmbH. Hauptsponsor ist die Sparkasse Nürnberg, zu den öffentlichen Zuschussgebern gehören das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, der Bezirk Mittelfranken und die Stadt Nürnberg. Das ION-Patronat, mit besonderem Dank an Martin Steger, und der Freundeskreis der Internationalen Orgelwoche Nürnberg e.V. tragen einen maßgeblichen Beitrag zur Finanzierung des Festivals. Als kirchliche Zuschussgeber beteiligen sich die Evangelische Landeskirche in Bayern, die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Nürnberg, die Katholische Gesamtkirchengemeinde in Nürnberg, das Erzbistum Bamberg und das Bistum Eichstätt.

Der Kartenvorverkauf beginnt am 2. April 2016.

Quelle: http://www.ion-musica-sacra.de